Dynamische Stromtarife orientieren sich am aktuellen Börsenpreis und bieten flexible Möglichkeiten, Energiekosten zu senken. Noch fehlt es jedoch vielerorts an der nötigen Technik für eine breite Nutzung.
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Da kommt Freude auf: Mit dynamischen Stromtarifen und einer Optimierung des Verbrauchs könnten Haushalte kräftig sparen. Foto: djd / LichtBlick
Bei immer mehr Stromanbietern können sich Verbraucherinnen und Verbraucher für sogenannte dynamische Tarife entscheiden. Solche Tarife haben im Vergleich zu fixen Stromtarifen keinen festen Preis pro Kilowattstunde. Stattdessen bekommt man den Börsenpreis des Strommarkts direkt weitergegeben. Dieser ändert sich alle 15 Minuten – abhängig von Angebot und Nachfrage. Mit dynamischen Tarifen, reduzierten Netzentgelten und einer Optimierung des Verbrauchs könnten Haushalte nach Berechnungen des Ökostromanbieters LichtBlick bis zu 800 Euro pro Jahr sparen. Dynamische Stromtarife sind in Deutschland aktuell jedoch weitgehend graue Theorie – weil die technischen Voraussetzungen in fast allen Haushalten noch fehlen.
Die Solarmodule sind der wichtigste Teil eines Solarpakets. Wer sich ein solches Paket inklusive Speicher und Smart Meter zulegt, kann dynamische Stromtarife nutzen. Foto: djd / LichtBlick / Simon Kraus / Fotolia
Für wen würden sich dynamische Stromtarife am meisten lohnen?
Bei einem geringen bis mittleren Energiebedarf kann man sich auch weiterhin für einen klassischen Stromtarif entscheiden. Spannend wird es für Haushalte mit einem mittleren bis hohen Energiebedarf, etwa für ein E-Auto oder eine Wärmepumpe. Diese Verbraucher könnten von einem dynamischen Stromtarif schon stark profitieren. Das gilt noch mehr für Haushalte, die nicht nur ein E-Auto oder eine Wärmepumpe nutzen, sondern auch eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach haben. Für sie gibt es dynamische Stromtarife mit Optimierung wie den „ÖkoStrom Dynamic“ von LichtBlick. Je flexibler man seinen Tag gestalten kann, desto besser kann man auf Preisschwankungen reagieren. Konkret heißt das: Strom dann verbrauchen, wenn er besonders günstig ist.
Immer mehr Eigenheime in Deutschland produzieren bereits Sonnenstrom über eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach, diese Haushalte könnten von einem sogenannten dynamischen Stromtarif profitieren. Foto: djd / LichtBlick / PantherMedia / Andreas Weber
Warum nutzen bisher so wenig Haushalte dynamische Stromtarife?
Sogenannte Smart Meter sind zentrale Voraussetzung für dynamische Tarife und für die Flexibilisierung von Erzeugung und Verbrauch von Strom. In Deutschland sind aber erst rund zwei Prozent der Messstellen mit den intelligenten Zählern ausgestattet – trotz Pflicht der Versorger zu dynamischen Tarifen und variablen Netzentgelten. 340 Messstellenbetreiber haben laut Bundesnetzagentur noch keinen einzigen Smart Meter installiert.
Bei dynamischen Stromtarifen steht der Preis nicht fest, sondern ändert sich permanent in Abhängigkeit von der Preisentwicklung am Spotmarkt. Foto: djd / LichtBlick / Getty Images / Siegfried Layda
Allerdings kommt der Markt allmählich in Bewegung, LichtBlick beispielsweise bietet seinen Kundinnen und Kunden bei der Installation von Solaranlagen oder Wallboxen beziehungsweise beim Abschluss eines dynamischen Stromtarifs die Einrichtung eines Smart Meters an. Gut zu wissen: Jeder Haushalt kann den Einbau eines solchen Messsystems verlangen. Es muss innerhalb von vier Monaten vom zuständigen Messstellenbetreiber installiert werden.
Resümee von Karsten Mueller (Redaktion “bauen.com“)
Das Thema Strompreise bewegt viele Haushalte. Dynamische Tarife eröffnen neue Möglichkeiten, gerade wenn man größere Verbraucher wie Wärmepumpen oder E-Autos im Einsatz hat. Besonders interessant wird es, wenn Photovoltaik hinzukommt und man Stromerzeugung und -nutzung clever kombiniert. Dass die Technik in Form von Smart Metern noch nicht flächendeckend verfügbar ist, bremst die Entwicklung aktuell zwar aus, zeigt aber auch das große Potenzial für die Zukunft. Wer schon heute plant, kann sich einen wichtigen Vorteil sichern.