02.10.2026

Solarstrom spart Deutschland seit 2020 Kosten in dreistelliger Milliardenhöhe

Solarenergie wird häufig vor allem unter Klimaschutzaspekten betrachtet. Dabei zeigt sich inzwischen immer deutlicher, dass Photovoltaik auch volkswirtschaftlich eine wichtige Rolle spielt. Die mittlerweile in Deutschland installierten rund sechs Millionen Solarstromanlagen haben dem Land allein in den vergangenen sechs Jahren einen Nutzen in dreistelliger Milliardenhöhe gebracht. Nach Berechnungen des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW-Solar) wurden zwischen 2020 und 2025 fossile Energieimporte im Wert von rund 20 Milliarden Euro ersetzt. Gleichzeitig konnten Klimaschadenskosten von bis zu 250 Milliarden Euro vermieden werden.
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  • 2020–2025 erzeugten PV-Anlagen knapp 390 Mrd. kWh und verdrängten vor allem Gas und Steinkohle.
  • BSW-Solar: Über 20 Mrd. Euro an fossilen Energieimporten wurden seit 2020 ersetzt.
  • Seit 2020 wurden rund 270 Mio. Tonnen Treibhausgase vermieden; in 20 Jahren insgesamt ca. 500 Mio. Tonnen.
  • Vermiedene Emissionen entsprechen laut Schätzungen Klimaschadenskosten von bis zu 250 Mrd. Euro.
  • Batteriespeicher, Netze und Flexibilität sind nötig, damit PV auch außerhalb sonniger Stunden wirkt.
Solarstrom spart Deutschland seit 2020 Kosten in dreistelliger Milliardenhöhe. Foto: mrganso
Solarstrom spart Deutschland seit 2020 Kosten in dreistelliger Milliardenhöhe. Foto: mrganso

Insgesamt erzeugten die Photovoltaikanlagen in Deutschland in diesem Zeitraum knapp 390 Milliarden Kilowattstunden Solarstrom. Diese Strommenge verdrängte im deutschen Stromsystem vor allem die Stromproduktion aus Erdgas und Steinkohle. Dadurch sank nicht nur der Bedarf an fossilen Brennstoffen aus dem Ausland. Auch die damit verbundenen Treibhausgasemissionen gingen zurück.

270 Millionen Tonnen Treibhausgase in sechs Jahren vermieden

Wie groß der Klimaeffekt inzwischen ist, zeigt der Blick auf einen längeren Zeitraum. Nach Angaben des Umweltbundesamtes wurden durch die Nutzung von Solarstrom in Deutschland innerhalb der vergangenen 20 Jahre rund 500 Millionen Tonnen Treibhausgase in CO₂-Äquivalenten netto vermieden.

Bemerkenswert ist dabei vor allem die Entwicklung der jüngeren Vergangenheit. Mehr als die Hälfte der gesamten Einsparungen entfiel allein auf die Jahre 2020 bis 2025. Rund 270 Millionen Tonnen Treibhausgase wurden während dieser sechs Jahre vermieden.

Diese Zahlen verdeutlichen, wie stark sich der beschleunigte Photovoltaikausbau mittlerweile auf die deutsche Energiebilanz auswirkt. Eine einzelne Solaranlage auf einem Einfamilienhaus erscheint im Verhältnis zum gesamten Stromverbrauch des Landes zunächst klein. Millionen solcher Anlagen, ergänzt um große Solarparks und gewerbliche Dachanlagen, verändern das Stromsystem jedoch spürbar.

Auf Basis von Schätzungen des Umweltbundesamtes entsprechen die seit 2020 vermiedenen Emissionen Klimaschadenskosten von bis zu 250 Milliarden Euro, sofern heutige und zukünftige Generationen gleichwertig berücksichtigt werden.

Weniger Geld für fossile Energieimporte

Neben den vermiedenen Klimaschäden spielt ein zweiter wirtschaftlicher Effekt eine wichtige Rolle. Jede Kilowattstunde Strom, die im Inland aus Sonnenenergie erzeugt wird, kann den Bedarf an importierten fossilen Energieträgern reduzieren.

Nach Schätzungen des BSW-Solar summiert sich der Wert der dadurch vermiedenen Energieimporte allein in den vergangenen sechs Jahren auf mehr als 20 Milliarden Euro.

Gerade vor dem Hintergrund der Energiekrise nach 2022 erhält dieser Aspekt zusätzliches Gewicht. Deutschland verfügt nur über begrenzte eigene fossile Energieressourcen und ist deshalb bei Erdgas, Erdöl und Steinkohle in erheblichem Umfang auf Importe angewiesen. Preissteigerungen auf internationalen Märkten können sich entsprechend auf Unternehmen und private Haushalte auswirken.

Solarstrom verändert diese Abhängigkeit nicht über Nacht. Mit jeder zusätzlichen Anlage wächst jedoch der Anteil des Strombedarfs, der aus einer heimischen Energiequelle gedeckt werden kann.

„Solarstrom schützt nicht nur das Klima, sondern auch den Wirtschaftsstandort Deutschland. Jede neue Solaranlage senkt unsere Abhängigkeit von Energieimporten und macht Strompreise widerstandsfähiger gegen geopolitische Krisen“, sagt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar. „Die Photovoltaik, vor allem in Verbindung mit Batteriespeichern, hat sich zu einem zentralen Baustein für Versorgungssicherheit, Energiesouveränität und wirtschaftliche Stabilität entwickelt.“

Warum Solarstrom auch den Börsenstrompreis beeinflusst

Der zunehmende Anteil erneuerbarer Energien wirkt sich zudem auf die Preisbildung am Strommarkt aus. Besonders interessant ist dabei das Zusammenspiel zwischen Solarstrom und Gaskraftwerken.

An sonnigen Tagen speisen Photovoltaikanlagen große Mengen Strom mit sehr niedrigen laufenden Erzeugungskosten ins Netz ein. Dadurch werden insbesondere in den sonnenreichen Stunden konventionelle Kraftwerke aus dem Markt gedrängt. Das kann den Börsenstrompreis senken und den Einfluss teurer fossiler Kraftwerke auf die Preisbildung begrenzen.

Angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen gewinnt dieser Zusammenhang an Bedeutung. Leonhard Gandhi, Leiter der Energy-Charts beim Fraunhofer ISE, erklärt dazu: „Der starke Zubau insbesondere der Photovoltaik seit 2022 trägt entscheidend dazu bei, dass die Auswirkungen der Erdgaspreise auf den Börsenstrompreis dieses Mal deutlich geringer ausfallen. Noch ist der Ausbau der erneuerbaren Energien aber insgesamt nicht ausreichend, um deutlich unabhängiger von geopolitischen Schocks sein zu können.“

Die Entwicklung zeigt damit auch eine Grenze der bisherigen Erfolge. Ein hoher Photovoltaikanteil während sonniger Stunden allein genügt nicht, um die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern umfassend zu reduzieren. Benötigt werden zugleich Speicher, leistungsfähige Stromnetze, flexible Verbraucher und weitere erneuerbare Energiequellen.

Batteriespeicher machen Solarenergie flexibler

Eine zunehmend wichtige Rolle übernehmen deshalb Batteriespeicher. Sie können Solarstrom aufnehmen, wenn die Produktion den unmittelbaren Verbrauch übersteigt, und die gespeicherte Energie später wieder bereitstellen.

Im privaten Haushalt zeigt sich das beispielsweise am typischen Tagesverlauf. Während eine Photovoltaikanlage mittags besonders viel Strom produziert, steigt der Verbrauch vieler Haushalte morgens und vor allem abends. Ein Batteriespeicher kann einen Teil des mittäglichen Überschusses bis in die Abendstunden verschieben.

Im größeren Maßstab funktioniert das Prinzip ähnlich. Gewerbespeicher und große Batteriespeicher können kurzfristige Schwankungen zwischen Stromproduktion und Verbrauch ausgleichen. Damit wird Photovoltaik zunehmend zu einem Bestandteil eines flexibleren Energiesystems, statt lediglich Strom zu liefern, wenn gerade die Sonne scheint.

Mit dem weiteren Ausbau der Solarenergie dürfte deshalb auch die Frage wichtiger werden, wie Erzeugung, Speicherung und Verbrauch besser aufeinander abgestimmt werden können.

Sechs Millionen Anlagen verändern die Struktur der Stromversorgung

Die inzwischen rund sechs Millionen installierten Solarstromanlagen stehen zugleich für einen strukturellen Wandel der Energieversorgung. Strom entsteht nicht mehr ausschließlich in großen Kraftwerken. Er wird zunehmend dezentral auf Einfamilienhäusern, Mehrfamilienhäusern, Gewerbehallen, landwirtschaftlichen Gebäuden und Freiflächen produziert.

Das verändert auch die Rolle der Verbraucher. Ein Haushalt mit Photovoltaikanlage produziert einen Teil seines Stroms selbst. Kommen Batteriespeicher, Wärmepumpe und Elektroauto hinzu, können Stromerzeugung und Energieverbrauch noch stärker miteinander verbunden werden.

Für Unternehmen ergeben sich ähnliche Möglichkeiten. Große Dachflächen auf Produktionshallen oder Logistikzentren können zur Stromerzeugung genutzt werden. Wird ein Teil des Solarstroms unmittelbar vor Ort verbraucht, sinkt gleichzeitig der Strombezug aus dem Netz.

Der wirtschaftliche Nutzen der Photovoltaik besteht deshalb nicht ausschließlich in vermiedenen Importen oder Klimaschäden. Solarenergie verändert schrittweise auch die Art, wie Energie erzeugt, verteilt und genutzt wird.

Solarbranche ist selbst zu einem Wirtschaftsfaktor geworden

Auch die Branche hinter dem Ausbau hat inzwischen eine beachtliche wirtschaftliche Größenordnung erreicht. Nach Angaben des Bundesverbandes Solarwirtschaft beschäftigt die deutsche Solar- und Speicherbranche rund 120.000 Menschen und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von etwa 30 Milliarden Euro.

Dahinter stehen sehr unterschiedliche Tätigkeiten. Handwerksbetriebe installieren Solarmodule und Speicher, Planungsunternehmen entwickeln größere Anlagen, Hersteller produzieren Komponenten und Softwareanbieter kümmern sich beispielsweise um Energiemanagementsysteme.

Mit dem weiteren Ausbau wachsen zugleich die Anforderungen an Fachkräfte, Netzinfrastruktur und Genehmigungsprozesse. Ein dauerhaft hohes Ausbautempo hängt daher nicht allein davon ab, ob genügend Solarmodule verfügbar sind. Entscheidend ist ebenso, ob Anlagen schnell geplant, angeschlossen und sinnvoll in das Stromsystem integriert werden können.

Rund 70 Prozent wollen weniger Abhängigkeit von Energieimporten

Rückenwind erhält der weitere Ausbau auch aus der Bevölkerung. Laut einer aktuellen repräsentativen YouGov-Umfrage sprechen sich rund 70 Prozent der Bürgerinnen und Bürger dafür aus, Deutschlands Abhängigkeit von fossilen Energieimporten durch einen stärkeren Ausbau erneuerbarer Energien und Speichertechnologien weiter zu reduzieren.

Damit verschiebt sich auch die öffentliche Diskussion über Photovoltaik. Während lange Zeit vor allem Förderkosten und Klimaschutz im Mittelpunkt standen, rücken inzwischen Versorgungssicherheit, Energiepreise und geopolitische Unabhängigkeit stärker in den Vordergrund.

Diese Aspekte hängen unmittelbar zusammen. Je mehr Energie im Inland aus erneuerbaren Quellen produziert wird, desto geringer kann langfristig die Abhängigkeit von internationalen Rohstoffmärkten ausfallen. Vollständig verschwinden wird sie dadurch nicht. Ihre Bedeutung für die Stromversorgung lässt sich jedoch reduzieren.

Intersolar rückt Solarenergie und Speicher in den Mittelpunkt

Im Vorfeld der diesjährigen Messe Intersolar fordert der Bundesverband Solarwirtschaft deshalb, den Ausbau von Solar- und Speichertechnologien konsequent fortzusetzen.

Die Intersolar fand vom 23. bis 25. Juni 2026 im Rahmen von „The smarter E Europe“ auf dem Messegelände München statt. Parallel dazu werden die Fachmessen ees Europe für Speichertechnologien, Power2Drive Europe für Ladeinfrastruktur und Elektromobilität sowie EM-Power Europe für Energiesysteme, Netzintegration und Flexibilisierung veranstaltet. Es kamen mehr rund 105.000 Fachbesucher aus 163 Ländern..

Die Kombination dieser Themen zeigt, wohin sich die Energiewirtschaft bewegt. Photovoltaik wird zunehmend gemeinsam mit Batteriespeichern, Elektromobilität, intelligenten Netzen und steuerbaren Verbrauchern betrachtet. Entscheidend ist künftig weniger die einzelne Technologie als deren Zusammenspiel.

Resümee von Karsten Mueller (Redaktion “bauen.com“)
Knapp 390 Milliarden Kilowattstunden Solarstrom innerhalb von sechs Jahren, rund 270 Millionen Tonnen vermiedene Treibhausgase und mehr als 20 Milliarden Euro weniger Ausgaben für fossile Energieimporte zeigen, dass Photovoltaik längst mehr als ein Instrument der Klimapolitik ist. Der volkswirtschaftliche Nutzen reicht von geringeren Klimaschäden über eine niedrigere Importabhängigkeit bis hin zu einer größeren Widerstandsfähigkeit gegenüber Energiepreiskrisen. Gleichzeitig entwickelt sich die Solar- und Speicherwirtschaft selbst zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig. Die bisherigen Erfolge bedeuten allerdings nicht, dass der Umbau des Energiesystems abgeschlossen wäre. Mit steigenden Anteilen von Solar- und Windstrom werden Speicher, Netzausbau und ein flexibler Stromverbrauch wichtiger. Gerade darin liegt die nächste große Aufgabe. Die Millionen bereits installierten Solaranlagen liefern nicht nur Strom. Sie bilden zunehmend die Grundlage eines Energiesystems, das stärker auf heimischen und erneuerbaren Quellen basiert.
Quelle
Bundesverband Solarwirtschaft e. V. / k.m.


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