17.10.2022

Einst Notwendigkeit, heute Wohntrend: der Industrial-Style

Nach dem industriellen Aufschwung kam der wirtschaftliche Crash. Plötzlich verwaisten früher intensiv genutzte Industriebauten in den USA, Großbritannien und anderen Industrienationen. Die nun arbeitslosen Menschen machten aus der Not eine Tugend und hauchten den leeren Fabrikhallen mit tausend Kreativideen wohnlichen Charme ein.
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Einst Notwendigkeit, heute Wohntrend: der Industrial-Style. Foto: iStock.com / Vasyl Cheipesh
Einst Notwendigkeit, heute Wohntrend: der Industrial-Style. Foto: iStock.com / Vasyl Cheipesh

Simple Nutzungsidee, cleverer Wohntrend bis heute

Auch heutzutage dauert es oft Jahrzehnte, bevor ein leerstehendes Gebäude abgerissen oder umgenutzt wird. In Portugal beispielsweise sind in leerstehenden Industrievierteln im Industrial-Style Kneipen und Bars entstanden, die wegen ihres herben, rauen Charmes Nachtschwärmer aus aller Welt anziehen. Altbauten in Deutschland bieten die gleichen kreativen Chancen. Bei einer notwendigen Sanierung bleiben gut erhaltene Wände einfach roh und unverputzt. Typisch für den Industrial-Style ist das optisch Unbehauene. Dazu gehören rohes Mauerwerk, viel Stahl und geupcycelte Gegenstände.

Altes nicht verstecken

Die Industrialisierung bescherte den Arbeitern in der Ursprungszeit keinen Reichtum. Ihren Lebensstolz wollten sie sich trotzdem in den Leerstandsgebäuden bewahren. Also verwendeten sie zurückgelassene Gegenstände, grob gereinigt und selten bearbeitet, als Einrichtung. Verwaiste Betonkübel wurden zu Pflanzkübeln, mit ein bisschen Erde und etwas Samen zum kostengünstigen Kräutergarten. Dementsprechend zeichnet Minimalismus auch heute diesen Wohnstil aus. Jetzt allerdings sind solche Pflanzkübel nur noch optisch schwer und rau, bestehen in Wirklichkeit aber aus leichtem, transportablem Fiberglas oder Kunststoff.

Neues wie zufällig ergänzen

Beispielsweise lassen sich auch in einer neu bezogenen Altbauwohnung Heizungsrohre auf Putz verlegen statt hinter Wandputz verstecken. Gibt es keine unverputzte Ziegelwand, kann eine Tapete in diesem ramponierten Design den gebrauchten Charme ergänzen. Dazu passen Küchen mit Kupferreling oder Tische mit Lack-Abplatzungen, angebeulte Metall-Container und Dielenboden mit deutlichen oder imitierten Gebrauchsspuren auf der Versiegelung. Ein neu installierter Raumteiler mit Glas oder Acrylelementen, vielleicht in Etagen mit kleinen, bunten Pflanzkübeln bestückt, schafft einen spannenden Gegensatz zwischen alt und neu.
 
Einst Notwendigkeit, heute Wohntrend: der Industrial-Style. Foto: iStock.com / Artjafara
Einst Notwendigkeit, heute Wohntrend: der Industrial-Style. Foto: iStock.com / Artjafara

Absichtlich Industrial-Style an die Wände bringen

Weist die Bausubstanz nur nebensächliche Gebrauchsspuren auf, sorgen die gesäuberte Ziegeloptik und der Edelstahl-Look von Wohnelementen für die typisch rohe Wandoptik. Statt Tapete oder Anstrich können hier große Plakate in Schwarz-Weiß von den Idolen der Industrialisierung, mit technischen Motiven von einst oder viel gesehenen Szenen des wirtschaftlichen Aufschwungs den Wohnstil betonen. Noch spannender wird die Kombination aus rohem Mauerwerk, neu ergänzten Accessoires und Grünzeug dazwischen. Es wirkt tatsächlich wie verlassen, wenn scheinbar unmittelbar vor einer Wand wie zufällig ein paar Grashalme herauswachsen. Der Trick ist ein Stück Ziegel- oder Betontapete, auf einen kleinen Pflanzkübel im Wanddesign geklebt.

Optische Wärme mit textilen Wohnaccessoires

Die wirtschaftliche Armut jener Zeit machte die frierenden Menschen damals erfinderisch. Grob gestrickte Sofadecken, selbst gehäkelte Kissenbezüge oder kleine Webtextilien konnten sich wenig Farbe leisten. Auch im heutigen Industrial-Style sollten solche textilen Wohnaccessoires eher in Naturfarben zwischen Beige und Anthrazit, mit viel Grau, etwas Braun und selten ein bisschen Rot gewählt werden. Besonders begeistert sind Kinder, wenn sie für solche Dekorationen einen kleinen Handarbeitsauftrag bekommen. Kennen sie Stricken oder Häkeln noch nicht, können sie sich am Kinder-Webrahmen ausprobieren.

Fazit:

Der Industrial-Style verlangt optischen Pragmatismus, der sich als Thema durch die ganze Wohnraumgestaltung zieht. Alte Gegenstände werden inszeniert statt aufpoliert, Rohre und Mauerwerk vorgezeigt statt versteckt. Besonderen Charme strahlen dazu textile Wohnaccessoires in grober Machart aus, beispielsweise Sofadecken oder Kissenhüllen. 

Quelle
n.j.


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