TL;DR - Das Wichtigste in Kürze
- Hamburger Haus von 1937 behutsam modernisiert und erweitert, ideeller Familienwert blieb erhalten.
- Sanierungsbedürftige Veranda ersetzt: Anbau respektiert Bestand und bringt mehr Offenheit und Helligkeit.
- Anbau öffnet das Haus zum Garten, schafft großzügige, helle Räume und einen neuen Mittelpunkt.
- Freistehende, eigenständige Dachkonstruktion entlastet die historische Substanz; Stahl sorgt innen für Stabilität.
- Denkmalschutz und archäologische Funde: Betonplatte als Fundament, um Eingriffe in den Boden zu minimieren.

Altbau und Anbau im harmonischen Zusammenspiel
In Hamburg hat Familie Faerber ein Wohnhaus aus dem Jahr 1937 mit viel Zeit, Sorgfalt und persönlichem Engagement behutsam weiterentwickelt. Das Gebäude wurde ursprünglich vom Großvater des Bauherrn Johann Faerber errichtet und besitzt deshalb einen besonderen ideellen Wert für die Familie. Im Rahmen der Modernisierung entstand eine Wohnraumerweiterung, die den Charakter des Bestands respektiert und gleichzeitig neue Qualitäten für das tägliche Wohnen schafft. Ziel war es, die vorhandene Architektur nicht zu überformen, sondern sie sinnvoll zu ergänzen. Der neue Anbau öffnet das Haus zum Garten und schafft ein großzügigeres Raumgefühl, ohne die Geschichte des Gebäudes aus dem Blick zu verlieren. „Der Kontrast zwischen Alt und Neu ist für mich wirklich gelungen und fühlt sich vom ersten Moment an stimmig an“, beschreibt Bauherr Dierk Faerber das Ergebnis.
Die Geschichte des Hauses als Ausgangspunkt
Schon kurz nach der Errichtung des Hauses wurde eine Veranda angebaut. Im Laufe der Jahrzehnte veränderte sich dieser Bereich mehrfach und entsprach schließlich weder den gestalterischen noch den baulichen Anforderungen der Gegenwart. Hinzu kam, dass die vorhandene Konstruktion sanierungsbedürftig geworden war. Damit stellte sich nicht nur die Frage nach einer baulichen Erneuerung, sondern auch nach einem überzeugenden Gesamtkonzept. Der neue Anbau sollte sich selbstverständlich in das bestehende Gebäude einfügen und zugleich einen deutlichen Mehrwert für den Alltag schaffen. Gesucht wurde eine Lösung, die den historischen Bestand respektiert und dennoch die Offenheit und Helligkeit moderner Architektur in das Haus bringt.
Planung mit Blick auf Bestand und Zukunft
Die Umsetzung des Projekts erforderte eine intensive Vorbereitung und zahlreiche Abstimmungen. Bei einem Gebäude mit einer langen Geschichte müssen bestehende Strukturen sorgfältig berücksichtigt werden, damit neue Bauteile sinnvoll integriert werden können. Gleichzeitig sollte der Anbau den heutigen Anforderungen an Wohnkomfort gerecht werden. Die Familie wünschte sich einen hellen Mittelpunkt des Hauses, der genügend Platz für das gemeinsame Leben bietet und den Blick in den Garten öffnet. Große Transparenz, eine angenehme Verbindung zwischen Innen und Außen sowie eine zurückhaltende Gestaltung standen deshalb im Mittelpunkt der Planung. So entstand ein Konzept, das Vergangenheit und Gegenwart auf natürliche Weise miteinander verbindet.
Eigenständige Konstruktion als durchdachte Lösung
Gemeinsam mit dem Statiker fiel die Entscheidung auf eine freistehende Konstruktion. Das Dach des Anbaus wurde bewusst nicht mit dem bestehenden Mauerwerk verbunden, sondern als eigenständige und in sich tragende Konstruktion geplant. Dadurch bleibt die historische Bausubstanz vor zusätzlichen Belastungen geschützt. Gleichzeitig eröffnet diese Lösung größere Freiheiten bei der Planung und Ausführung. Die statischen Anforderungen werden vollständig vom Neubau übernommen, ohne in die bestehende Tragstruktur einzugreifen. Im Innenbereich sorgt eine Stahlkonstrukktion für die notwendige Stabilität. Auf diese Weise konnte eine moderne Erweiterung entstehen, die technisch überzeugt und den Charakter des ursprünglichen Hauses bewahrt.
Denkmalschutz stellte besondere Anforderungen
Auch die Lage des Grundstücks beeinflusste die Planung maßgeblich. Das Haus steht unter Denkmalschutz, wodurch sämtliche Arbeiten besonders sorgfältig vorbereitet werden mussten. Hinzu kam, dass in der Umgebung bereits archäologische Funde bekannt waren. Aus diesem Grund sollte möglichst kein Eingriff in den vorhandenen Boden erfolgen. Diese Rahmenbedingungen machten eine angepasste Fundamentlösung erforderlich. Die Entscheidung fiel schließlich auf eine Betonplatte, die den besonderen Anforderungen des Grundstücks gerecht wird. Damit konnte der Neubau sicher gegründet werden, ohne unnötige Eingriffe in den Untergrund vorzunehmen. Die gewählte Lösung verbindet den Schutz des historischen Umfelds mit den technischen Anforderungen eines modernen Anbaus.
Mehr Wohnqualität mit Respekt vor der Geschichte
Das Ergebnis zeigt, wie sich historische Bausubstanz und zeitgemäße Architektur harmonisch ergänzen können. Der Anbau schafft mehr Platz, verbessert die Verbindung zum Garten und sorgt für helle, offen wirkende Räume. Gleichzeitig bleibt der ursprüngliche Charakter des Hauses deutlich erkennbar. Statt Alt und Neu gegeneinander auszuspielen, entsteht ein ausgewogenes Zusammenspiel beider Architekturen. Die sorgfältige Planung, die eigenständige Konstruktion und der sensible Umgang mit den Anforderungen des Denkmalschutzes tragen dazu bei, dass das Gebäude seine Geschichte bewahrt und dennoch den Bedürfnissen des heutigen Wohnens gerecht wird. So entstand eine Wohnraumerweiterung, die nicht nur funktionale Vorteile bietet, sondern auch den besonderen Charakter eines über Generationen gewachsenen Familienhauses dauerhaft erhält.Resümee von Gerhard Bauer (Redaktion “bauen.com“)
Gelungene Erweiterungen leben vom respektvollen Umgang mit dem Bestand und einer klaren Idee für die Zukunft. Wenn neue Räume mehr Licht, Weite und Gartennähe schaffen, ohne den Charakter des Hauses zu verdrängen, entsteht ein stimmiges Ganzes. Sorgfältige Planung und kluge konstruktive Lösungen machen solche Projekte besonders wertvoll und dauerhaft überzeugend.

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