TL;DR - Das Wichtigste in Kürze
- Flucht- und Rettungstreppen müssen im Brandfall tragfähig bleiben; F30 ist oft Standard.
- Auch im Wohnungsbau wächst der Bedarf, etwa bei Mehrfamilienhäusern und komplexen Grundrissen.
- Normale Holztreppen erreichen F30-B meist nicht, da sie ihre Tragfähigkeit zu schnell verlieren können.
- Treppenmeister entwickelte zwei geprüfte Holztreppen nach DIN 4102-2, 30 Minuten stabil und nutzbar.
- Spezialkonstruktion mit hitzefestem Klebstoff; MPA-Tests, AbP, geeignet z.B. für Aufstockungen.

Hohe Anforderungen an Flucht- und Rettungswege
Sind Treppen essentielle Flucht- und Rettungswege, müssen sie hohe brandschutztechnische Anforderungen erfüllen. Im gewerblichen und öffentlichen Bereich ist die Feuerwiderstandsklasse F30 häufig Standard, da Treppen im Ernstfall eine sichere Evakuierung ermöglichen müssen. Sie sollen auch dann noch nutzbar bleiben, wenn sich Feuer oder starke Hitze im Gebäude ausbreiten. Die Konstruktion darf in dieser Zeit weder ihre Tragfähigkeit noch ihre Stabilität verlieren. Auch im privaten Bereich kann eine F30-B Treppe erforderlich sein, etwa in Mehrfamilienhäusern mit entsprechenden bauaufsichtlichen Vorgaben oder besonderen Brandschutzkonzepten. Bauherren und Planer müssen daher bereits in der Entwurfsphase berücksichtigen, welche Anforderungen an die Treppenanlage gestellt werden.
Brandschutzanforderungen auch im Wohnungsbau
Während solche Vorgaben im gewerblichen und öffentlichen Bau längst etabliert sind, gewinnen sie auch im Wohnungsbau zunehmend an Bedeutung. Besonders bei Gebäuden mit mehreren Wohneinheiten oder bei komplexeren Grundrissen spielt die Sicherheit der Fluchtwege eine wichtige Rolle. Gleichzeitig wünschen sich viele Bauherren eine architektonisch ansprechende Lösung, die sich harmonisch in das Gesamtbild des Hauses einfügt. Treppen übernehmen dabei nicht nur eine funktionale Aufgabe, sondern prägen auch den Innenraum gestalterisch. Eine Konstruktion, die sowohl den brandschutztechnischen Anforderungen als auch ästhetischen Ansprüchen gerecht wird, ist daher gefragt.
Holzbau im Aufwind
Parallel dazu wächst das Interesse am Holzbau. Holz gilt als nachhaltiger Baustoff, der eine angenehme Wohnatmosphäre schafft und sich vielseitig einsetzen lässt. Immer mehr Gebäude werden in Holzbauweise geplant oder zumindest teilweise mit Holz realisiert. In diesem Zusammenhang steigt auch die Nachfrage nach Treppenlösungen, die Brandschutzanforderungen erfüllen und gleichzeitig aus Holz bestehen. Bisher stellte genau dieser Punkt jedoch häufig eine Herausforderung dar. Gewöhnliche Holztreppen erfüllen die Anforderungen der Feuerwiderstandsklasse F30-B meist nicht, da sie im Brandfall ihre Tragfähigkeit zu schnell verlieren können.
Geprüfte Holztreppen mit F30-B Klassifizierung
Die Treppenmeister-Partnergemeinschaft hat deshalb zwei geprüfte Holztreppen-Konstruktionen entwickelt, die den Anforderungen der Feuerwiderstandsklasse F30-B gemäß DIN 4102-2 entsprechen. Beide Modelle sind so konstruiert, dass sie mindestens 30 Minuten lang Hitze und Flammen standhalten können, ohne ihre Stabilität zu verlieren. In dieser Zeit bleibt die Treppe weiterhin tragfähig und nutzbar. Damit eröffnet sich die Möglichkeit, auch bei höheren brandschutztechnischen Anforderungen eine konsequente Bauweise mit Holz umzusetzen. Für Planer und Bauherren entsteht dadurch ein zusätzlicher Gestaltungsspielraum.
Spezielle Konstruktion und geprüfte Materialien
Möglich wird diese Leistungsfähigkeit durch eine speziell entwickelte Beschlags- und Konstruktionstechnik. Ein zentrales Element ist ein eigens entwickelter Klebstoff, der selbst bei Temperaturen von über 100 Grad Celsius seine Festigkeit behält. Dadurch bleiben die tragenden Verbindungen der Treppe auch bei starker Hitze stabil. Die Materialprüfanstalt für das Bauwesen (MPA) Braunschweig hat die Konstruktionen in realitätsnahen Brandversuchen getestet. Im Rahmen dieser Prüfungen wurde untersucht, ob die Treppen ihre Tragfähigkeit und Stabilität über den geforderten Zeitraum hinweg behalten. Auf Grundlage dieser Ergebnisse erhielten die Modelle das Allgemeine bauaufsichtliche Prüfzeugnis, kurz AbP.Zwei unterschiedliche Treppenkonstruktionen
Eine der geprüften Varianten ist eine klassische Holzwangentreppe, bei der die Stufen zwischen seitlichen Wangen eingespannt sind. Diese Bauform gilt als besonders robust und wird häufig im Wohnungsbau eingesetzt. Das zweite Modell ist eine freitragende Treppenmeister-Systemtreppe, die durch ihre offene Bauweise eine leichte und moderne Raumwirkung erzeugt. Beide Konstruktionen erfüllen die Anforderungen der Feuerwiderstandsklasse F30-B. „Die geprüften F30-Holztreppen sind eine gute Option beim Aufstocken von Häusern“, erklärt Geschäftsführer Thomas Köcher. Holz besitzt ein vergleichsweise geringes Eigengewicht, was bei Aufstockungen im Hinblick auf die vorhandene Statik des Gebäudes ein entscheidender Vorteil sein kann.Resümee von Gerhard Bauer (Redaktion “bauen.com“)
Holz erlebt im Bauwesen seit einigen Jahren eine echte Renaissance. Viele Bauherren schätzen das natürliche Material nicht nur wegen seiner Optik, sondern auch wegen seiner Nachhaltigkeit. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Sicherheit und Brandschutz. Innovative Konstruktionen zeigen, dass sich beides miteinander verbinden lässt. So entstehen Lösungen, die sowohl funktional als auch gestalterisch überzeugen können.

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