TL;DR - Das Wichtigste in Kürze
- Holzenergie wird heute in Holzenergiewerken effizient genutzt und über Nahwärmenetze verteilt.
- Klimaneutral nur bei nachhaltiger Forstwirtschaft: Es darf nicht mehr entnommen als nachwachsen.
- Holzenergie liefert über 60% der erneuerbaren Wärme in Deutschland und ersetzt Öl und Gas.
- Anlagen erzeugen Wärme sowie teils Strom und Prozesswärme für Betriebe und Haushalte.
- Kaskadennutzung: Erst Bau/Möbel, dann Energie aus Rest-, Schadholz und Holz-Nebenprodukten.

Holz als Energiequelle mit langer Tradition
Seit Jahrtausenden verwenden Menschen Holz, ob als Baumaterial oder um sich zu wärmen. Schon früh entdeckten Menschen, dass das nachwachsende Naturmaterial vielseitig einsetzbar ist und sowohl Schutz als auch Energie liefern kann. Auch heute spielt Holz in vielen Bereichen eine wichtige Rolle, doch seine Bedeutung entwickelt sich weiter. Im Zuge der Wärmewende rückt der Rohstoff erneut stärker in den Fokus, allerdings unter anderen Voraussetzungen als früher. Statt offener Feuerstellen oder einfacher Holzöfen kommen heute moderne technische Verfahren zum Einsatz. Holz wird in spezialisierten Anlagen effizient und kontrolliert genutzt, um Wärme und teilweise auch Strom zu erzeugen. Expertinnen und Experten sind überzeugt, dass die energetische Nutzung von Holz in Holzenergiewerken und Nahwärmenetzen einen wichtigen Beitrag zur Defossilisierung der Wärmeversorgung leisten kann.Moderne Technik ersetzt das Lagerfeuer
Während früher einzelne Haushalte Holz verbrannten, wird der Rohstoff heute zunehmend in größeren Anlagen eingesetzt. Holzenergiewerke arbeiten mit moderner Verbrennungstechnik, die eine deutlich effizientere Nutzung ermöglicht als traditionelle Feuerstellen. Die erzeugte Wärme wird in vielen Fällen über Nahwärmenetze an Haushalte, öffentliche Gebäude oder Betriebe verteilt. Dadurch kann die Energie des Holzes zentral erzeugt und gleichzeitig von vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern genutzt werden. Solche Systeme verbinden die Vorteile eines nachwachsenden Rohstoffs mit moderner Infrastruktur. Gleichzeitig lassen sich Emissionen und Energieverluste besser kontrollieren, weil die Anlagen technisch optimiert betrieben werden.
Klimaneutral – wenn nachhaltig bewirtschaftet
Ein wesentlicher Vorteil der natürlichen Ressource Holz ist ihre neutrale Klimabilanz. Wird Holz energetisch genutzt oder zersetzt es sich im Wald, wird grundsätzlich nur die Menge an Kohlendioxid freigesetzt, die der Baum während seines Wachstums zuvor aus der Atmosphäre aufgenommen hat. Voraussetzung dafür ist jedoch eine nachhaltige Forstwirtschaft. Solange mindestens so viel Holz nachwächst, wie entnommen wird, bleibt die CO₂-Bilanz ausgeglichen. Wissenschaftliche Bewertungen sowie die Ergebnisse der Bundeswaldinventur bestätigen diese Zusammenhänge. Auch auf europäischer Ebene wird Holzenergie entsprechend eingeordnet. Die europäische Richtlinie für Erneuerbare Energien, RED III aus dem Jahr 2023, stuft Holzenergie als nachhaltig und klimaneutral ein.Bedeutung für die Wärmeversorgung
Vor diesem Hintergrund gewinnt Holzenergie eine wichtige Rolle in der Wärmewende. Sie trägt bereits heute erheblich zur Versorgung mit erneuerbarer Wärme bei. „Holzenergie liefert inzwischen über 60 Prozent der erneuerbaren Wärme in Deutschland und ersetzt zunehmend fossile Energieträger wie Öl und Gas. Sie trägt damit maßgeblich zum Klimaschutz, zur sicheren Wärmeversorgung und zur regionalen Wertschöpfung bei“, erklärt Gerolf Bücheler, Geschäftsführer des Fachverbands Holzenergie. In entsprechenden Anlagen kann nicht nur Wärme für Haushalte bereitgestellt werden. Gleichzeitig lassen sich auch Strom und Prozesswärme für Betriebe erzeugen, wodurch verschiedene Energiebedarfe miteinander verbunden werden.
Regionale Wertschöpfung und Versorgungssicherheit
Die Nutzung von Holzenergie wirkt sich auch auf regionale Wirtschaftskreisläufe aus. Wälder, Forstbetriebe, Transport, Aufbereitung und Energieerzeugung sind eng miteinander verknüpft. Dadurch bleiben Wertschöpfung und Arbeitsplätze häufig in der jeweiligen Region. Gerade in Zeiten globaler Krisen gewinnt dieser Aspekt an Bedeutung, weil regionale Energiequellen unabhängiger von internationalen Märkten machen können. Gerolf Bücheler betont deshalb: „Das stärkt lokale Wertschöpfungsketten und erhöht die Versorgungssicherheit in Zeiten globaler Krisen.“ Gleichzeitig können Holzenergiewerke flexibel in bestehende Versorgungssysteme integriert werden und so eine stabile Grundlage für nachhaltige Wärme schaffen.Bauen vor Heizen: Das Prinzip der Kaskadennutzung
Ein häufig geäußertes Vorurteil lautet, dass Bäume ausschließlich für die Energiegewinnung gefällt würden. Tatsächlich folgt die Nutzung von Holz jedoch dem Prinzip der Kaskadennutzung, das sowohl ökonomisch als auch ökologisch sinnvoll ist. Hochwertiges Stammholz wird zunächst stofflich verwendet, etwa im Hausbau oder in der Möbelproduktion. Erst wenn diese Nutzung abgeschlossen ist oder wenn Resthölzer anfallen, folgt die energetische Verwertung. In regionalen Holzenergiewerken werden meist Hackschnitzel eingesetzt, die aus Restholz, Schadholz oder Nebenprodukten der Holzverarbeitung entstehen. Gerade für die kommunale Wärmeplanung bietet dieses Verfahren großes Potenzial. Als Grundlage für Wärmenetze können entsprechende Anlagen ganze Städte, Dörfer oder Industrieareale zuverlässig und nachhaltig mit Energie versorgen.Resümee von Gerhard Bauer (Redaktion “bauen.com“)
Die Wärmewende verlangt nach Lösungen, die gleichzeitig verlässlich, regional verfügbar und klimafreundlich sind. Holz kann hier eine wichtige Rolle spielen, wenn Wälder verantwortungsvoll bewirtschaftet werden und die Nutzung in sinnvollen Kreisläufen erfolgt. Besonders interessant ist der Gedanke der Kaskadennutzung, bei dem das Material zunächst im Bau oder in Produkten eingesetzt wird, bevor es energetisch genutzt wird. Dadurch bleibt der Rohstoff möglichst lange im Wertschöpfungssystem. In Verbindung mit regionalen Wärmenetzen entsteht so ein Ansatz, der Klimaschutz, Versorgungssicherheit und lokale Wirtschaft miteinander verbindet.

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