TL;DR - Das Wichtigste in Kürze
- Denkmalhaus von 1893: hohe Wärmeverluste, alte Ölöfen/Nachtspeicher; Außendämmung ausgeschlossen.
- Lösung: Innendämmung mit naturbo-Lehmbauplatten, hebt Wandtemperaturen, reguliert Feuchte, senkt Schimmelrisiko.
- 30‑mm Klima-Dämmplatten mit integrierter Wandheizung: Strahlungswärme, ca. 110 W/m² bei 40 °C Vorlauf.
- Sanierung mit Ausgleichsputz, Stuckleisten erhalten; 22 Heizkreise/5 Verteiler, Wärme via Gasbrennwerttherme.
- Ergebnis: Wände +3 °C ohne Heizung; Energieverbrauch von 203 auf 92–113 kWh/m²a fast halbiert.

Historisches Gebäude mit großem Sanierungsbedarf
Das denkmalgeschützte Wohnhaus in Hülben am Nordrand der schwäbischen Alb stammt aus dem Jahr 1893 und zeigte vor der Sanierung energetische Schwächen. Besonders die Außenwände verloren viel Wärme. Im Erdgeschoss bestand die Nordhälfte aus 25 Zentimeter starkem Ziegelmauerwerk, während die Südhälfte sowie die oberen Geschosse in Fachwerkbauweise ausgeführt waren. Zusätzlich arbeiteten im Gebäude noch alte Ölöfen und Nachtspeicherheizungen, die weder wirtschaftlich noch zeitgemäß waren. Eigentümer und Planer standen deshalb vor der Aufgabe, die Gebäudehülle zu verbessern und gleichzeitig ein neues Heizkonzept zu entwickeln. Eine Außendämmung kam wegen des Denkmalschutzes jedoch nicht infrage. Gesucht wurde daher eine Lösung, die den historischen Charakter des Hauses erhält und trotzdem eine spürbare energetische Verbesserung ermöglicht.
Innendämmung als passende Alternative
Bauleiter Klaus Wolfram Dreisbach setzte auf eine Innendämmung mit naturbo Lehmbauplatten. Mit diesem System hatte er bereits bei früheren Projekten gute Erfahrungen gesammelt. Besonders überzeugte ihn die Fähigkeit der Platten, die Oberflächentemperatur der Außenwände anzuheben. Dadurch verbessert sich das Wärmeempfinden in den Räumen spürbar. Gleichzeitig reguliert der Lehm die Feuchtigkeit im Innenraum. Temporär entstehende Feuchtigkeit wird aufgenommen und später wieder an die Raumluft abgegeben. Das sorgt für ein ausgeglicheneres Raumklima und reduziert das Risiko von Schimmelbildung deutlich. Für das historische Gebäude bot diese Lösung mehrere Vorteile gleichzeitig. Die Fassade blieb unverändert erhalten und dennoch konnte die energetische Qualität des Hauses wesentlich verbessert werden.
Wandheizung ersetzt klassische Heizkörper
Zum Einsatz kamen naturbo Klima Dämmplatten mit integrierter Wandheizung. Die Bauherrschaft wollte bewusst auf klassische Heizkörper verzichten, da diese in den kleinen Räumen als störend empfunden worden wären. Die 30 Millimeter starken Platten besitzen einen Kern aus Holzweichfasern sowie beidseitige Lehmschichten. In die vordere Lehmschicht ist ein wasserführendes Mehrschichtverbundrohr eingebettet. Dadurch entsteht eine großflächige Strahlungswärme, die als besonders angenehm empfunden wird. Das Heizsystem erreicht bei einer Vorlauftemperatur von 40 Grad eine Heizleistung von rund 110 Watt pro Quadratmeter. Für jeden Raum wurde die benötigte Wärmeleistung exakt berechnet. Besonderes Augenmerk lag auf Fenstern und Ecken, damit dort keine kalten Bereiche entstehen.
Präzise Planung auf drei Etagen
Vor dem Anbringen der Lehmbauplatten wurden die vorhandenen Wände zunächst mit einer zusätzlichen Putzschicht ausgeglichen. Dadurch konnten die Platten vollflächig mit dem Untergrund verklebt werden. Auch der Erhalt historischer Details spielte bei der Sanierung eine wichtige Rolle. Damit die alten Stuckleisten sichtbar bleiben, wurden die Lehmbauplatten im oberen Bereich abgeschrägt. Trotz der zusätzlichen Innendämmung bleibt der ursprüngliche Eindruck der Räume dadurch nahezu unverändert. Insgesamt entstanden im dreistöckigen Gebäude 22 Heizkreise mit fünf Heizkreisverteilern. Mehrere Heizplatten wurden jeweils miteinander verbunden. Die Wärmeversorgung übernimmt heute eine Gasbrennwerttherme. Ergänzend stehen weiterhin ein historischer gusseiserner Ofen sowie ein kleiner Holzofen im Erdgeschoss zur Verfügung.
Spürbar mehr Behaglichkeit im Alltag
Die Eigentümer und auch Bauleiter Klaus Wolfram Dreisbach zeigen sich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Bereits ohne eingeschaltete Heizung liegt die Oberflächentemperatur der Außenwände etwa drei Grad höher als vor der Sanierung. Mit aktiver Heizung entsteht eine gleichmäßige Wärmeverteilung ohne unangenehm kalte Wandflächen. Gerade dieser Effekt verbessert das Wohngefühl deutlich. Wand und Deckenheizungen arbeiten mit einem hohen Anteil an Strahlungswärme. Deshalb reicht bereits eine geringere Lufttemperatur aus, um ein angenehmes Wärmegefühl zu erzeugen. Für ein Behaglichkeitsempfinden von 21 Grad genügt eine tatsächliche Raumtemperatur von rund 18 Grad. Jedes eingesparte Grad senkt den Energieverbrauch.
Deutlich weniger Energieverbrauch nach der Sanierung
Neben der höheren Behaglichkeit konnte auch der Energieverbrauch des Hauses deutlich reduziert werden. Verantwortlich dafür ist das Zusammenspiel aus Innendämmung, Wandheizung, verbesserten Fenstern und einer optimierten Dachisolierung. Vor der Sanierung lag der spezifische Energieverbrauch des Gebäudes bei 203 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Nach Abschluss der Arbeiten bewegen sich die Werte im Alltag zwischen 92 und 113 Kilowattstunden. Damit wurde der Energieverbrauch nahezu halbiert. Das Beispiel aus Hülben zeigt, dass sich auch historische Gebäude energetisch modernisieren lassen, ohne ihren ursprünglichen Charakter zu verlieren. Die Kombination aus Lehmbauplatten und integrierter Wandheizung sorgt nicht nur für geringere Heizkosten, sondern auch für ein spürbar angenehmeres Raumklima im gesamten Haus.Resümee von Karsten Mueller (Redaktion “bauen.com“)
Energetische Sanierungen im Bestand gelten besonders bei historischen Gebäuden unter Denkmalschutz oft als schwierig. Umso überzeugender sind Lösungen, die moderne Heiztechnik, natürliche Baustoffe und den Erhalt historischer Architektur miteinander verbinden. Innendämmungen mit integrierter Wandheizung zeigen, dass sich Energieeffizienz und Wohnkomfort deutlich steigern lassen, ohne den Charakter alter Gebäude zu verlieren.

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