16.07.2020

Bald Stromlücke – trotz Corona-Krise

Bonner Forscher warnen davor, dass bereits im Jahr 2023 eine Lücke in der deutschen Stromversorgung entstehen könne. Nur wenn das gegenwärtige Tempo des Photovoltaikausbaus ab 2021 verdoppelt und ab 2022 verdreifacht werde, könne die Versorgungssicherheit gewährleistet und die Klimaziele erreicht werden.
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Als Auswirkung der Wirtschaftskrise infolge der Corona-Pandemie sagen die Marktforscher von EuPD Research für 2020 zwar einen Rückgang der Nettostromnachfrage um vier Prozent auf knapp unter 500 Terawattstunden (TWh) voraus. Prognosen zur wirtschaftlichen Erholung lassen aber bereits in 2021 einen steigenden Stromverbrauch der Wirtschaft erwarten. 

Infolge des Atom- und Kohleausstiegs und aufgrund eines nur schwachen Netto-Windenergieausbaus an Land werde die Stromerzeugung nach den Prognosen der Marktforscher spätestens in drei Jahren mit der anziehenden Stromnachfrage nicht mehr mithalten können. Trotz des stärkeren Zubaus von Windrädern in Nord- und Ostsee auf 20 GW in den kommenden zehn Jahren entstehe bereits im Jahr 2023 eine Stromerzeugungslücke in Höhe von 46 TWh. Diese wachse bis 2030 auf 77 TWh, was 12 Prozent des zu diesem Zeitpunkt erwarteten Strombedarfs entspricht (vgl. auch Pressegrafik). 

„Zur Vermeidung einer Stromerzeugungslücke muss der jährliche Photovoltaik-Ausbau von gegenwärtig rund 4 Gigawatt im Jahr bereits 2021 auf 8 Gigawatt verdoppelt und ab 2022 sogar auf 12 Gigawatt verdreifacht werden. Verbleibt hingegen der gesetzlich festgelegte Zubau für Photovoltaik bei 2,5 GW pro Jahr ergibt sich bereits in 2023 eine Stromlücke,“ kommentiert Dr. Martin Ammon, Geschäftsführer der EUPD Research, die Studienergebnisse. Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft appelliert daher an die Bundesregierung: „Es ist an der Zeit, die Ausbauziele im Erneuerbare-Energien-Gesetz entsprechend zu erhöhen. Gleichzeitig müssen alle Marktbarrieren für die Solartechnik endlich weg. Wer A sagt und zu Recht aus Atom- und Kohlekraft aussteigt und zugleich mehr Strom oder grünen Wasserstoff unter anderem in der Mobilität sehen möchte, der muss jetzt auch B sagen und den Ausbau Erneuerbarer Energien beschleunigen.“ 

„Wir sind mitten in einem umfassenden Wandel der Energiesysteme. Dieser Transformationsprozess braucht dringend verlässliche und klare politische Rahmenbedingungen – nur dann entstehen für Industrie, Handwerk und Gewerbe neue Wachstumsmöglichkeiten und zukunftsfähige Geschäftsmodelle“, ergänzt Markus Elsässer, Geschäftsführer der Solar Promotion GmbH und Initiator der wichtigsten Innovationsplattform für die neue Energiewelt The smarter E Europe. 

Quelle
BSW-Solar, The smarter E Europe und EuPD Research


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