Wohngesunde Farben - Reinheitsgebot

Den größten Teil des Tages verbringen wir in geschlossenen Räumen, Raumluftqualität ist daher keine Nebensache. Und wir können selber entscheiden, was wir einatmen, zum Beispiel durch Auswahl der richtigen Farben.
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Foto: Schöner Wohnen Farbe

Foto: Schöner Wohnen Farbe

Häuser werden heute viel dichter gebaut als noch vor zwanzig Jahren, was mit deutlich niedrigerem Heizenergieverbrauch belohnt wird. Unerwünschter Nebeneffekt ist häufig dicke Luft.

Europaweite Untersuchungen haben jüngst gezeigt, dass mancherorts drinnen die Luftqualität schlechter ist als draußen vor der Tür. Da sollte nicht auch noch die Wandfarbe Schadstoffquelle sein.

Die vier Elemente



Aus vier Elementen oder Komponenten bestehen Farben in der Regel. Die Pigmente sind der eigentliche Farbstoff, aber sie halten ohne die Bindemittel weder aneinander noch an der Wand. Um beide rühren, gießen und verstreichen zu können, braucht es drittens die Lösemittel, die sich anschließend verflüchtigen dürfen. Hilfsmittel oder Additive verbessern die Verarbeitungseigenschaften und machen Farben zum Beispiel schwer entflammbar.

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Vom Hersteller zu beziehen: Rohpigmente für Naturfarben, in der Regel ungiftig, viele auf mineralischer Basis. Foto: LIVOS

Wandfarben sind allerdings heute fast immer Dispersionsfarben: Bindemittel und Pigmente sind in Wasser lediglich fein verteilt, an der Wand verdunstet das Wasser. Zwecks Optimierung des Farbverlaufs und der Filmbildung werden noch geringe Mengen an Lösemitteln (normalerweise um die zwei Prozent), weiters Additive und Füllstoffe (Verdickungsmittel) beigegeben. Sowie – wegen des hohen Wasseranteils – Konservierungsmittel, die so genannten Topfkonservierer. Sonst wird die Farbe Beute von Schimmel und Fäulnis.

Flüchtige Bekannte


 
Foto: Alpina

Foto: Alpina

Alle vier Grundkomponenten können gesundheitlich bedenklich sein. Einige Pigmente (z.B. auf Basis von Blei oder Cadmium) und Bindemittel etwa sind giftig. Konventionelle Dispersionsfarben basieren auf Kunstharzen als Bindemitteln, Acrylate und Styrol sind die üblichen; Acrylate können in hoher Konzentration Allergien auslösen, Styrol kann Augen, Haut und Atemwege reizen.

Die Gefährdung ist indes leicht zu vermeiden – beim Streichen weder essen, trinken noch rauchen, so lauten die Regeln. Nicht atmen geht nicht. Es sind die flüchtigen, schnell oder langsam ausgasenden Bestandteile, die öfters Probleme bereiten, also das, was von Lösemitteln und Hilfsmitteln an die Raumluft abgegeben wird. Wie die Topfkonservierer: chlororganische Lösemittel, Formaldehydabspalter oder Isothiazolone.
 
Foto: LIVOS

Foto: LIVOS

Gerade Formaldehyd ist für eine ganze Reihe von Beschwerden verantwortlich. Abhängig von der Stärke der Belastung kann das von Reizungen der Schleimhäute über Augenreizungen, Atemnot, Kopfschmerzen und Übelkeit bis hin zu Konzentrationsstörungen reichen. Laut Arbeitsmedizinern besteht gar Verdacht auf Krebs verursachende Wirkung.
 
Foto: Casa Natura

Foto: Casa Natura

Hersteller von Naturharz-Dispersionsfarben verzichten auf die Bio- und Fungizide. Als Verlaufshilfen und Filmbildungshilfen werden gerne Terpene verwendet, natürliche ätherische Öle. Sie können die Schleimhäute reizen und allergische Reaktionen auslösen.

Extra für Allergiker gibt es konventionelle Dispersionsfarben ohne jegliche Konservierungsstoffe.

Alte Erfolgsrezepte


 
Foto: Haganatur

Foto: Haganatur

Althergebrachte Farbrezepturen werden neben der Denkmalpflege auch verstärkt wieder im Neubau eingesetzt, etwa die Leimfarben. Knochenleim-, Stärke- oder Lederleim, auch Methylcellulose sind die Bindemittel.

Kalkfarben bekommen meist noch Cellulosefasern oder Leinöl zugesetzt, damit sie besser haften. Sie sind stark alkalisch und damit ein denkbar schlechter Nährboden für Schimmel. Angenehm pastellige Töne erreicht man mit Kalk-Kaseinfarben, die als Bindemittel Magerquark enthalten. Die genannten, geeignet vor allem für Innenräume, benötigen saugfähige Untergründe, beispielsweise Gipsplatten oder Gipsputz.

 
Foto: ENAV

Foto: ENAV

Natur-Farben werden oft in Trockenform zum Anmischen angeboten, die Pigmente sind mineralischen oder pflanzlichen Ursprungs. Alternativen zu den Anstrichen können Lehm- oder Kalkputze darstellen.

Kalkputze sind wie Kalkfarben Versicherungen gegen Schimmel, Lehmputze vor allem hervorragend im Feuchteausgleich: das Naturmaterial nimmt in hohem Maße Raumluftfeuchte auf, wenn das Klima zu drückend wird, und gibt sie an zu trocken gewordene Luft wieder ab.

Was nicht muss ...

In den Innenräumen sind viele „Lastfälle” nicht gegeben, man kann gewöhnlich auf Anstriche mit speziellen Eigenschaften verzichten, für die man mit Gesundheitsrisiken bezahlen würde. Wohngesunde Produkte bringen zudem ein recht großes Farbspektrum mit, sodass man sich in ästhetischer Hinsicht nicht einschränken muss.

 
Vorsichtsmaßnahmen:

Nicht nur Allergiker sollten die Produktbeschreibung genauestens lesen und im Zweifelsfall den Fachhändler oder Hersteller direkt ansprechen. In jedem Fall sollte man den direkten Kontakt mit Wandfarben meiden und sie von Kindern fern halten. Bei allen Anstricharbeiten empfiehlt es sich, sofort gut zu lüften. In der kühleren Jahreszeit kann man zuvor die Wohnung ordentlich durchheizen und erst anschließend die Fenster weit öffnen. Nicht zu lange, damit die Wände nicht wieder auskühlen.

Quelle21.12.2005
City Post Verlag

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