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Lüften und Energie sparen!

In nach Vorschrift erstellten Neubauten gibt es bei geschlossenen Türen und Fenstern keine Zugerscheinungen mehr. Regelmäßiges Lüften ist gefragt, wofür allerdings im Alltag oft die Zeit fehlt. Lüftungsanlagen, auf Wunsch mit Wärmerückgewinnung, nehmen den Bewohnern diese Arbeit ab.
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Lüften und Energie sparen! - Foto: Viessmann
Lüften und Energie sparen! - Foto: Viessmann


Bei allem Respekt: Viele Häuser im Baubestand sind nicht ganz dicht. „Fugen-Lüftung“ nennt der Fachmann etwas verharmlosend, was unterm Strich happige Wärmeund damit Energieverluste bedeutet.

Dank ordentlich schließender Fenster und Türen sind sie dagegen in Neubauten kaum noch Thema, immer vorausgesetzt, es wurden die Regeln der EnEV, der Energie-Einspar-Verordnung eingehalten. Zieht man nun in so einen Neubau, nimmt man neben Sack und Pack auch die alten Lüftungs-Gewohnheiten mit, zum Schaden der Wohngesundheit. Anstatt in regelmäßigen Abständen für ein paar Minuten weit geöffnet zu werden, werden die Fenster gekippt, sogar im Winter.

An den ausgekühlten Wänden kondensiert die Luftfeuchte, und von der gibt es reichlich, woran der Wellness-Trend nicht ganz unschuldig ist. Damit nicht genug, gasen Möbel, Bodenbeläge, Farben, Reinigungsmittel bedenkliche Stoffe aus, an erster Stelle wäre Formaldehyd zu nennen. Der Mensch selber setzt mit jedem Atemzug Kohlendioxid und Wasserdampf frei.


Das Gute im Menschen


Hört sich an, als seien die Bewohner hauptsächlich Schadstoff- und Fehlerquellen, ist aber zum Glück nicht so.

In Passivhäusern steuert der menschliche Körper zusammen mit der Sonne und den elektrischen Geräten kräftig zur angenehmen Raumtemperatur bei.

Wesentlicher Bestandteil ihrer Anlagen-Technik ist die automatische Be- und Entlüftung mit Wärmerückgewinnung. Im Zentralgerät wird der verbrauchten Luft die Wärmeenergie entzogen und auf die angesaugte Frischluft übertragen, die dann in die Wohnräume verteilt wird, über an den Decken angebrachte Wurfdüsen.

Viele Plattenwärmetauscher erreichen Rückgewinnungsgrade von 80 Prozent und mehr. Schon viele Bauinteressenten haben nach dem Besuch in einem Passivhaus ihre Vorbehalte aufgegeben und sich für eine Lüftungsanlage entschieden. Und sei es eine reine Abluftanlage, die im nach Mindeststandard gedämmten und abgedichteten Gebäude durchaus Sinn macht.

Aus Bad, WC, Küche saugt sie die verbrauchte, feuchtegesättigte Luft ab. Über Außenwand-Einlässe in den Aufenthaltsräumen und Schlafzimmern in Nähe der Heizkörper strömt die Außenluft nach, erwärmt sich und verteilt sich im Haus. Die Fenster können geschlossen bleiben, in Gegenden mit hohem Lärmpegel ein echter Vorteil. Verglichen mit der klassischen Fensterlüftung können außerdem so die Energieverluste um bis zu 30 Prozent reduziert werden.

Kosten und Förderung
Betrachtet man allein die Anlagentechnik, das heißt Zentralgerät und Kanäle, ohne Montage, ergibt sich für ein Einfamilienhaus ungefähr folgendes Preisspektrum (Quelle: Energieagentur Nordrhein-Westfalen):
Zentrale Abluftanlage ca. 3.500 Euro
Zentrale Be- und Entlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ca. 7.900 Euro
Kompaktgerät mit Be- und Entlüftungsanlage sowie Wärmepumpe ca. 16.400 Euro


Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) unterstützt die kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung im Rahmen des Programms „Ökologisch bauen“, entweder als Einzelmaßnahme oder, entsprechend großzügiger, im Verbund mit weiteren den Bedarf an Primärenergie senkenden Techniken. Drückt man ihn durch entsprechende Haustechnik und Bauweise auf 60 Kilowattstunden pro Jahr und Quadratmeter, plant man damit ein „KfW-60-Haus“. Noch günstiger wird es, wenn man sich gleich für ein KfW-40- oder ein Passivhaus entscheidet. (Infos unter www.kfw-foerderbank.de oder telefonisch unter 0 18 01/33 55 77)

Darüber hinaus fördern einzelne Bundesländer die Lüftungstechnik. Auskünfte dazu gibt es von der dena, der Deutschen Energie-Agentur, unter der kostenlosen Hotline 08 000 / 736 734.



Winter- und Sommerbetrieb


Ehrgeizige Energiesparer geben sich damit nicht zufrieden. Sie investieren mehr in Dämmung und Abdichtung und wählen die Anlage mit Wärmerückgewinnung, die in der kalten Jahreszeit zum Teil Heizungsfunktion übernimmt.

Wenn die Außenluft vor dem Eintritt in das Zentralgerät noch durch ein in frostsicherer Tiefe verlegtes Rohr strömt (Erdwärmetauscher), kann sie im Winter ein paar Grad Celsius aufnehmen, genug, um den Wärmetauscher frostfrei zu halten.

Im Sommer ergibt sich ein leichter Kühleffekt, noch verstärkt durch den Bypass-Betrieb – die Abluft wird am Wärmetauscher vorbei hinausbefördert. Ein Filter draußen vor dem Ansaugrohr – mindestens F 7 – ist Endstation für Insekten, Staub, aber auch Pollen. Regelmäßige Wartung und Reinigung vorausgesetzt, dürfen Allergiker eine wesentlich verbesserte Luft- und Lebensqualität erwarten. Alle drei bis sechs Monate steht der Filtertausch beziehungsweise die Filterreinigung an: In vielen Fällen reicht es, die Einsätze in der Spülmaschine zu säubern.

Nur für Passivhäuser sinnvoll sind die so genannten Kompaktgeräte, die Warmwasserspeicher, Lüftungszentrale und Wärmepumpe vereinen. Je nach Bedarf wird die Wärme der Abluft auf die Frischluft übertragen oder von der Wärmepumpe „konzentriert“, im Speicher eingelagert und zur Raumheizung sowie zur Brauchwasserbereitung genutzt. (Einige dieser Geräte können noch zusätzlich mit Solarkollektoren gekoppelt werden.) „Reversibel“ arbeitende Kompaktanlagen bieten noch mehr. Sie entziehen im Sommer der Zuluft die Wärme und tragen so wesentlich zur Raumkühlung bei.

Mindestanforderungen
Die Lautstärke einer Lüftungsanlage darf im Wohnbereich nicht über 25 dB/A liegen, die Austrittsgeschwindigkeit an den Wurfdüsen nicht mehr als 0,1 m/s betragen. Das Zentralgerät muss wie die Rohre und Kanäle schallentkoppelt eingebaut werden. Handelt es sich um eine Anlage mit Wärmetauscher, sollte das Verhältnis der eingesetzten zur wiedergewonnenen Energie mindestens 1:5 betragen.



Planbar bis ins Detail


30 Kubikmeter Frischluft benötigt der Mensch im Durchschnitt pro Stunde. Bezogen auf unsere Wohnräume ergibt sich laut Experten im Alltag eine empfohlene Luftwechselrate zwischen 0,5 und 0,3 h-1 – alle zwei bis drei Stunden wird komplett ausgetauscht, wenn’s hoch her geht, etwa bei Partys, etwas mehr.

Fachbetriebe (nach Referenzen fragen!), die man am besten gleich in der Planungsphase mit einbezieht, dimensionieren die Anlage entsprechend und installieren sie schallentkoppelt. Die Abluft- und Zuluft-Kanalsysteme, je nach Bausituation unter der Decke oder unter dem Fußboden anzubringen, sollten nicht zu weite Entfernungen überbrücken müssen.

So ist es beispielsweise ratsam, Küche und Sanitärbereiche auf dem Grundriss zusammenzurücken. Leitungs- beziehungsweise Kanalquerschnitte sollten nicht zu klein ausfallen, da sonst zwangsläufig höhere Strömungsgeschwindigkeiten erforderlich sind.

Die immer beliebteren Kaminöfen sind durchaus mit einer Lüftungsanlage kombinierbar, müssen allerdings raumluftunabhängig zu betreiben sein. Kein Problem mit den neueren Abgasanlagen mit Rohr-im- Rohr-System, die die Frischluft von draußen holen.

Zum Schutz vor fetthaltigen Dämpfen sollten Abluftventile in der Küche nie in Nähe der Kochstelle platziert werden. Wichtig: Im Vorfeld muss ein Blower-Door-Test stattfinden, noch vor Beginn der Ausbauarbeiten. Nur so kann geklärt werden, ob die Luftdichtheitsschicht korrekt ausgeführt und die Fenster und Türen richtig eingebaut wurden.


Die Rechnung


Seit Einführung der EnEV zu Anfang 2002 müssen sich Bauprojekte an ihrem Bedarf an Primärenergie messen lassen, der Energie, die für Hausstrom, Heizung und Warmwasserkomfort aus Uran, Kohle, Erdöl und Erdgas gewonnen wird. Holz, Sonneneinstrahlung, Erdwärme und andere erneuerbare Energien dagegen, einschließlich – siehe oben – unserer Körperwärme, schlagen positiv zu Buche.

Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ist vor diesem Hintergrund ein Pluspunkt und bringt zuerst einmal bessere Förderkonditionen (siehe Kasten), abgesehen von Komfort und Wohngesundheit. Rein betriebswirtschaftlich betrachtet rechnet sie sich noch nicht. Aber fossile Energieträger werden knapper und teurer, der Ärger um die Preiserhöhungen der letzten zwei, drei Jahre war offensichtlich nur ein Vorgeschmack. Man wird die Rechnung jedes Jahr aufs Neue aufmachen müssen.

Quelle08.06.2007
Citypost Zeitschriften

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