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Anbau in Passivhausbauweise

Eine bessere Hälfte – im wahrsten Sinn des Wortes – erhielt eine alte Doppelhaushälfte in Dachau mit einem Anbau in Passivhausbauweise. Obwohl die Ausgangssituation nicht ganz so einfach war.
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Die Ausgangssituation, auf die der Architekt Werner Friedl in diesem Fall traf, erwies sich als nicht ganz unproblematisch: ein nur 243 m2 großes Baugrundstück in Dachau mit einer bestehenden Doppelhaushälfte auf dem Nachbargrundstück.
 
Bedingt durch die spezielle Gründung wurde die Wärmedämmung der Bodenplatte oberseitig aufgebracht. - CPZ
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Für die Bauherrin und den Architekten stand von Anfang an fest, dass die noch fehlende Doppelhaushälfte ein Passivhaus werden sollte, zumal sich das Architekturbüro auf die Realisierung von energieoptimierten Gebäuden spezialisiert hat. Von Seiten des zuständigen Bauamts kam die Forderung nach einem deckungsgleichen Anbau an die bestehende Doppelhaushälfte.

 
Die Holzbauteile wurden als geschosshohe Fertigteile einschließlich Verschalung angeliefert. - CPZ
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Aber der Grundstückszuschnitt war äußerst ungünstig, sodass ein reines Satteldach- gebäude die Abstandsflächen überschritten hätte. Das Nachbargebäude wurde in konventioneller Ziegelmassivbauweise errichtet.

Im Entwurf für den Anbau mussten deshalb die erforderlichen höheren Dämmdicken konstruktiv geschickt eingesetzt werden, um einen deckungsgleichen Anbau zu ermöglichen. Das Nachbargebäude besitzt einen Keller, der Anbau sollte ohne Keller erstellt werden.

Die Planung
 
Modernste Haustechnik hilft, den Heizwärmebedarf auf 14 kW/m2a zu senken. - CPZ
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Werner Friedl entwickelte die Idee eines 2-geschossigen Kubus, der ein Satteldach durchdringt.
Damit bot sich eine glückliche Lösung für das Nutzungskonzept sowie das Problem der Abstandsflächen. Darüber hinaus schafft der kubische Baukörper im Dachgeschoss eine attraktive 12,5 m2 große Dachterrasse.

 
Nach innen ist der Konstruktion eine entkoppelte Installationsebene vorangestellt. - CPZ
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Da der kleine Garten an dem Haus sehr einsehbar und beengt ist, bietet sich der Bauherrin hier ein ganz privater Außenbereich.

Im Satteldachbereichist das Passivhaus 3-geschossig. Das Satteldach schließt deckungsgleich an die bestehende Doppelhaushälfte an, womit der Forderung des Bauamtes entsprochen war.

Die Unterschiedlichkeit der Baukörper lässt sich auch an den gewählten Fassadenmaterialien ablesen. Das Flachdachgebäude hat im südlichen und östlichen Bereich eine Verschalung aus sibirischer Lärche, an der westlichen Fassade als Witterungsschutz eine robuste Verkleidung mit Keramik.
 
Für die Montage der Außen- und Innenwände sowie des regensicher geschlossenen Daches benötigten die Zimmerer nur drei Tage. - CPZ
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Diese Tonplatten finden sich auch im eingeschossigen Baukörper wieder, der als Technikraum dient und folglich keine Fenster benötigt.Das Satteldachgebäude erhielt einen Putz, um einen harmonischen Übergang vom bestehenden Nachbargebäude an den neuen Anbau zu erreichen.

Bauweise An die Haustrennwand wurden erhöhte Anforderungen bezüglich Brandschutz und Schallschutz gestellt. Abkühlverluste des Passivhauses über die Haustrennwand waren ebenfalls zu minimieren, zumal das Nachbargebäude ein anderes Temperaturniveau haben könnte.

Deshalb wurde die Haustrennwand in das energetische Konzept ganzheitlich integriert und ebenfalls mit hohem Dämmstandard ausgeführt.
 
Für die Montage der Außen- und Innenwände sowie des regensicher geschlossenen Daches benötigten die Zimmerer nur drei Tage. - CPZ
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Das Passivhaus (Kubus- und Satteldach- bereich) wurde in Holzbauweise mit minimierten Stegen ausgeführt.

Die Gefachbereiche sind mit Zellulosefaser gedämmt. Auf der Innenseite befindet sich die Installationsebene, damit ist die Luft- dichtigkeit gewährleistet. Schrägdach und das Flachdach sind in vergleichbarer Konstruktion wie die Außenwände ausgeführt.

Die Holzbauteile kamen als geschosshohe Fertigteile einschließlich der Verschalung auf die Baustelle. Innerhalb von drei Tagen konnte die Montage der Holzfertigteile bis zum regendichten Dach abgeschlossen werden.


Wegen des nur bedingt tragfähigen Untergrunds wurde eine spezielle Gründung durchgeführt. Damit wurde ausgeschlossen, dass statische Belastungen des Anbaus auf die Kellerwände des Nachbargebäudes wirken können.

Diese Art der Gründung machte es notwendig, die Wärmedämmung der Bodenplatte auf der Oberseite aufzubringen. Um Konstruktionshöhe zu sparen, kam eine 240 mm hohe alukaschierte mehrlagige PURDämmung oberhalb der Bodenplatte zum Einsatz.

Die technische Ausstattung
 
Die Bauherren sind glücklich und zufrieden mit der Lösung und fühlen sich in ihrem neuen Zuhause sehr wohl. - CPZ
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Auf dem Grundstück ist ein kostengünstiger Erdgasanschluss vorhanden. Deshalb wird dieser als Energiequelle für den Restheizbedarf genutzt.

Der Anschluss eines dezentralen raumluftunabhängigen Pelletprimärofens im Wohnraum ist vorbereitet. Ein Pufferspeicher und Solarkollektoren zur Brauchwassererwärmung sind ebenfalls vorhanden.
 
Bodentiefe Fensterelemente lassen viel Tageslicht in die Räume. - CPZ
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Zusätzlich zum Heizen im Lüftungssystem besitzt das Gebäude weitere dezentrale wasserdurchflossene Decken- u. Fußbodenheizflächen zur Steigerung der Behaglichkeit. Die notwendige Grundstücksfläche für einen Erdreichwärmetauscher war nicht vorhanden. Deshalb wurde eine Mini-Sole-Wärmepumpe dem Lüftungsgerät vorgeschaltet.

Fazit
 
Links die alte Haushälfte, rechts die neue. Der geforderte deckungsgleiche Anschluss ist deutlich zu erkennen. - CPZ
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Nach der ersten Heizperiode zeigte sich, dass der berechnete Wert von 1,4 l Heizöl bzw. 2,8 kg Pellets (Energiebedarf im Jahr zur Beheizung eines Quadratmeters) in der Praxis nur geringfügig überschritten wurde. Die Bewohner äußern sich zufrieden mit dem Ergebnis, gerade die behaglichen warmen Bauteiloberflächen und die ganzjährig gute Raumluftqualität wird von den Bewohnern geschätzt. Ganz sicher ist ihnen der „Neid“ der Nachbarn, die in ihrer alten Haushälfte das Fünfoder Sechsfache an Heizenergie aufwenden müssen.

Auf der nächsten Seite sehen Sie die Grundrisse.

Erdgeschoss
Obergeschoss

Dachgeschoss

Bautafel
Architekt Werner Friedl
Architekt Werner Friedl
Bauweise:
Holzständerbauweise

Fertigstellung:
September 2004

Wohnfläche:
135,2 m2

Haustechnik:
Mini-Sole-Wärmepumpe, Gasbrenn- wertgerät, Brauchwasserkollektoren; dezentraler Pelletofen geplant

Architekt:
Werner Friedl, Bergstraße 12,
86559 Adelzhausen
Tel.: 0 82 58 / 92 92 7,
www.architekt-friedl.de

Quelle08.09.2006
City-Post Verlag

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