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Und über uns – der Himmel

Wenn Grundstücke Mangelware sind und Generationen zusammenbleiben oder Familien sich ausdehnen wollen, führt mancher Weg nach oben, ein oder auch zwei Ebenen übers Erdgeschoss. Dort baut man auf Vorhandenem auf: Wohnfläche, die keinen Bauplatz kostet.
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Bei dieser großen Umbaumaßnahme wurde aufgestockt, ausgebaut und angebaut. Dank steiler Dachneigung entstand viel Wohnraum in den Obergeschossen. - Foto: Keitel-Haus
Bei dieser großen Umbaumaßnahme wurde aufgestockt, ausgebaut und angebaut. Dank steiler Dachneigung entstand viel Wohnraum in den Obergeschossen. - Foto: Keitel-Haus

Manchmal schlägt man bei der Dachaufstockung zwei Fliegen mit einer Klappe. Zusammen mit der Wohnraumerweiterung lässt sich der vorhandene Altbau ganz elegant und kosteneffizient sanieren, im Sinne von mehr Energieeinsparung und einem behaglichen Wohnraumklima.


Günstige Gelegenheit



Nun muss jede Wohnraumerweiterung, die 30 Kubikmeter überschreitet – wovon man bei einer Aufstockung ausgehen kann – nach § 8, Art. 3 der Energieeinsparverordnung (EnEV) den Vorschriften für zu errichtende Gebäude, sprich Neubaustandard, genügen.

Das heißt, dass nach den Baumaßnahmen das Dach und auch die Wände in der Regel besser gedämmt sind als beim Bestandsgebäude. Die Vorgabe, in Altbauten die oberste Geschossdecke zu dämmen, wird mit dem Aufbau sogar automatisch erfüllt. Und wenn nach Abschluss der Arbeiten die Fassade sowieso neu verputzt werden muss, kann in den unteren Etagen mit einem Wärmedämmverbundsystem problemlos für eine Verringerung der Wärmeverluste durch die Außenwand gesorgt werden.


Zwar ist das Ziel einer Aufstockung zunächst einmal keine Sanierung, aber es zeigt sich schnell, dass die Verknüpfung sinnvoll und manchmal sogar unumgänglich ist. Um daraus ein rundes Ganzes zu machen, sollte rechtzeitig der fachliche Rat eines Energieberaters eingeholt werden.

Der Flachdachbungalow von 1968 erhielt ein Dachgeschoss mit großzügiger Galerie. Das gesamte Haus wurde aufgewertet und die Bauherren profitieren von einem ganz neuen Wohngefühl. - Foto: Qualitätsverbund DachKomplett
Der Flachdachbungalow von 1968 erhielt ein Dachgeschoss mit großzügiger Galerie. Das gesamte Haus wurde aufgewertet und die Bauherren profitieren von einem ganz neuen Wohngefühl. - Foto: Qualitätsverbund DachKomplett


Varianten



Diese Eingangsüberlegungen, die grundsätzlicher Art sind, sind eng verbunden mit der Entscheidung, wie die Aufstockung erfolgen soll. Das wiederum ist stark von der Gebäudesituation abhängig. Nimmt man zum Beispiel einen Bungalow, der in die Jahre gekommen ist, verdoppelt die Fortführung der Außenmauern nach oben die vorhandene Wohnfläche, man erhält eine komplette neue Wohnung.

Werden Küche und Bäder wie im Erdgeschoss angeordnet, spart man überdies Installationswege. Darüber hinaus wird mit dem Aufbau eine möglicherweise anstehende Flachdachsanierung „erledigt“. Die Doppelung ist jedoch nicht die einzig mögliche Lösung. Wenn es der Bebauungsplan zulässt und eineinhalb Geschosse aufs Erdgeschoss gesetzt werden können, ist sogar Platz für eine große Familie oder zusätzliche Büroräume.

Die Variante, einen Teil des Erdgeschosses nicht zu überbauen, sondern zur Dachterrasse umzufunktionieren, hat ebenfalls Charme. Und ob wieder ein Flachdach, ein Sattel- oder ein Pultdach oder eine noch andere Ausführung den krönenden Abschluss bildet, bleibt der Kreativität von Architekt und Bauherr überlassen, unter Beachtung der baurechtlichen Vorschriften.

Tatsächlich entsteht bei einer großzügigen Aufstockung fast so etwas wie ein kleiner Neubau, mit viel gestalterischer Freiheit. Denkbar ist auch, die Maßnahmen gleich mit einem Anbau zu kombinieren, um ausreichend Fläche zu schaffen. Dieses Neue harmonisch an das Bestehende anzubinden, ist die eigentliche Herausforderung für den Architekten. Hat man in manchen gewachsenen Wohngebieten den Vergleich zwischen unscheinbaren, noch unveränderten Siedlungshäuschen und ihren Nachbarn, die bereits an Höhe gewonnen haben, zeigt sich, dass durch gelungene Eingriffe das gesamte Erscheinungsbild profitiert.


Mit dem Gewinn an Höhe geht auch ein optischer Gewinn einher. Aus biederen Behausungen entstehen selbstbewusste und zeitgemäße Bauten.

Während die Familie im Erdgeschoss wohnte, lief die Dachaufstockung oben problemlos vonstatten. - Foto: Rensch-Haus
Während die Familie im Erdgeschoss wohnte, lief die Dachaufstockung oben problemlos vonstatten. - Foto: Rensch-Haus

Aber es geht auch kleiner. Manchen Familien reicht es, den Kniestock höher zu ziehen. Moderne Technik ermöglicht es, das Dach einfach abzutrennen und anzuheben und nach erfolgter Aufmauerung wieder aufzulegen.

Die Beeinträchtigung des Erdgeschosses ist bei dieser Variante minimal, der Effekt dafür umso größer. Ab zwei Meter Deckenhöhe gilt die Fläche als vollwertiger Wohnraum. Aus kleinen Dachkammern mit tief gezogenen Schrägen werden so weitläufige Zimmer, die dennoch den gemütlichen Dach-Charakter nicht verlieren.

Noch einfacher ist es, wenn eine bestehende, direkt angrenzende Garage überbaut werden kann. Bei dieser Mischform aus Anbau und Aufstockung wird ab dem ersten Obergeschoss die Wohnfläche erweitert, was durchaus auch in Form eines Wintergartens, der sich bis unters Dach zieht, erfolgen kann.

Egal welche Lösung gefunden wird, sie sollte auf der Grundlage des zuvor festgelegten Raumbedarfs und der Nutzungswünsche erfolgen und im Rahmen der baurechtlichen Möglichkeiten die optimale Umsetzung als Ziel haben.

Fördervarianten
Wenn schon so umfassend ins Haus eingegriffen wird, lohnt sich die Suche nach Fördergeldern. Je nach Ausführung, ob eine neue in sich abgeschlossene Wohnung entsteht, ob lediglich der bestehende Wohnraum erweitert wird und um wie viel und inwieweit man den Bestand unter Energiegesichtspunkten saniert, können verschiedene Förderangebote der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) greifen.

Dazu gehören die Programme „Wohnraum modernisieren“, „CO2-Gebäudesanierungsprogramm“, „Wohneigentumsprogramm“, „Ökologisch Bauen“ oder auch „Solarstrom erzeugen“, wenn eine Fotovoltaikanlage auf dem neu erstellten Dach installiert wird.

Im günstigsten Fall lässt sich sogar das „CO2-Gebäudesanierungsprogramm“ auf den Gebäudebestand anwenden und die Aufstockung über „Ökologisch Bauen“ fördern.

Aufgrund der Einzelfallsituation bei Aufstockungen ist jedoch keine generelle Aussage möglich, sondern eine individuelle Beratung notwendig.

Informationen gibt's bei der KfW unter www.kfw-foerderbank.de im Internet oder telefonisch unter 018 01/33 55 77. Darüber hinaus lohnt sich der Gang zur Stadtverwaltung. Liegt das Gebäude in einem Sanierungsgebiet, können eventuell weitere Fördergelder für bestimmte Maßnahmen fließen.



Konstruktionen



Nun wird von einer Aufstockung nicht nur die äußere Optik tangiert, sondern auch das Innenleben und die Statik des vorhandenen Gebäudes. Viele Bauherren und Architekten ziehen die Aufstockung in Holzrahmenbauweise massiven Ziegelwänden vor. Zum einen lassen sich die Wände in den Firmen vorfertigen und innerhalb weniger Tage vor Ort montieren.

Das 50er-Jahre-Haus verlor sein altes Satteldachgeschoss und erhielt dafür zwei neue Etagen mit Pultdach, was einen Wohnraumgewinn von über 160 m2 erbrachte. - Foto: 81FünfAG
Das 50er-Jahre-Haus verlor sein altes Satteldachgeschoss und erhielt dafür zwei neue Etagen mit Pultdach, was einen Wohnraumgewinn von über 160 m2 erbrachte. - Foto: 81FünfAG

Auf diese Weise ist das Gebäude nach kürzester Zeit wieder regendicht. Zum anderen sind diese Konstruktionen echte Leichtgewichte. Zusätzliche statische Maßnahmen sind kaum notwendig. Und wenn auch die Innenwände im Trockenbau ausgeführt werden, sind oft nicht einmal Stützpfeiler im Erdgeschoss notwendig.

Dennoch kann auch massiv mit Mauerziegeln nach oben weitergebaut werden. Allerdings werden durch das Materialgewicht die statischen Anforderungen größer. Das erfordert den Einbau teurer Verstärkungen mit Stahlträgern und kann bis zu einer neuen Gründung führen, die mit hohen Kosten verbunden ist.

Der Schutz der darunterliegenden Wohnung gegen Witterungseinflüsse ist schwierig, da das Haus viel länger offen ist. Notfalls muss diese sogar für die Zeit des Umbaus geräumt werden. Bei Aufmauerungen muss darauf geachtet werden, das gleiche Material zu verwenden, das in den alten Wänden steckt. Sonst treten durch das unterschiedliche Ausdehnungsverhalten schnell hässliche Risse in der Fassade auf.


Erschließung/Anbindung



Ob es sich bei der Aufstockung um eine Erweiterung der vorhandenen Wohnung oder um eine in sich geschlossene neue Wohnung handelt, hat direkte Auswirkungen auf den vorhandenen Wohnraum. Wenn beispielsweise ein Deckendurchbruch erforderlich ist, weil eine inliegende Geschosstreppe nach oben führen oder wenn gar ein Luftraum für eine Galerie eröffnet werden soll, muss in den vorhandenen Grundriss weitreichend eingegriffen werden.

Mithilfe eines Mobilkrans werden die vorgefertigten, perfekt gedämmten Wandund Deckenelemente auf das Dach gehoben. Bereits nach kurzer Zeit ist die neue Etage regendicht – aus dem Flachdachbungalow wurde ein attraktives Haus. - Foto: Solidwood Hausbau
Mithilfe eines Mobilkrans werden die vorgefertigten, perfekt gedämmten Wandund Deckenelemente auf das Dach gehoben. Bereits nach kurzer Zeit ist die neue Etage regendicht – aus dem Flachdachbungalow wurde ein attraktives Haus. - Foto: Solidwood Hausbau

Unter Umständen wird dadurch die ganze Raumabfolge verändert beziehungsweise werden Trennwände herausgerissen und Zimmer zusammengelegt, um ein großzügigeres Ambiente zu erreichen.

Aber auch die umgekehrte Variante ist denkbar. So kann in einem ursprünglich eineinhalbgeschossigen Haus für die junge Familie aufgestockt werden, während sich die Eltern, die nun zu Großeltern wurden, aufs Erdgeschoss beschränken. Dann heißt es Decken schließen und gegebenenfalls Wände einziehen, um ein auf der bisherigen Wohnebene nicht vorhandenes Schlafzimmer oder Bad zu schaffen.

Werden komplett neue Wohneinheiten geplant, ist natürlich ein vorgelagertes Treppenhaus zur Erschließung des neuen Stockwerkes sinnvoll. Manchmal ist dies schon angelegt, da Wohnungen früher viel kleiner waren als heute und zweistöckige Häuser oft auch für zwei Familien geplant wurden.

Wenn nicht, muss über Alternativen nachgedacht werden. Ideal ist ein Anbau, der ein neues Treppenhaus aufnimmt. Ist das nicht möglich, kann eine Freitreppe die Innentreppe ersetzen. Nicht sinnvoll dagegen ist der Notbehelf, der manchmal innerhalb einer Familie mit mehreren Generationen gewählt wird: die junge Familie muss durch den großelterlichen Wohnbereich, um ihre Räume zu erreichen. Das geht nicht lange gut. Spätestens wenn die Enkel pubertieren ist niemand mehr mit dieser Lösung glücklich. Und wenn es dann zur Trennung und zum Auszug kommt, lässt sich der neu geschaffene Wohnraum nicht einmal vermieten. Denn mit F remden funktioniert die Durchgangslösung gleich zweimal nicht.

Quelle25.05.2007
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