Interview
mit dem Generalkonservator des Bayerischen Landesamtes für
Denkmalpflege, Dr. Egon Johannes Greipl
ratgeber bauen:
Denkmalpflege heute – Wo liegen Ihre Wurzeln?
Dr. Greipl:
Die Denkmalpflege, wie wir sie heute verstehen, ist ein Produkt
der späten 60er Jahre. Das fortwährende Verschwinden
von Relikten historischer Baukunst führte zu einem Umdenken
bei den politisch Verantwortlichen.
Dr. Egon Johannes Greipl im Gespräch mit ratgeber bauen
Foto: BLfD
Der Verlust
an historischer Substanz hat einen unwiederbringlichen Schaden
am kulturellen Erbe des Landes zufolge. Diese Erkenntnis veranlasste
Natur- und Landschaftschutzverbände zu verstärktem
Druck auf die politisch Handelnden.
ratgeber
bauen:
Wie definieren Sie „Denkmal“ und seine Bedeutung?
Dr.
Greipl:
Die Definition des Denkmals wird durch das bayrische Denkmalschutz
von 1973 bestimmt. Der Artikel 1 legt die genaue Definition
für ein Denkmal fest: Es ist von geschichtlicher, künstlerischer,
städtebaulicher, wissenschaftlicher oder volkskundlicher
Bedeutung. Ferner besteht eine wichtige Funktion eines Denkmals
in seinem "gesellschaftlichen Gedächtnis".
Das bedeutet das Wachhalten und Sichtbarmachen von Erinnerungen
als wesentliche gesellschaftliche Orientierungsmöglichkeit
der Gegenwart.
Foto: Freyer
Dies kann
auch eine schmerzliche Erinnerung, wie bei den KZ-Gedenkstätten
oder eine vermeintlich unwichtige, wie die Industriebauten der
50ger Jahre.
Doch wir haben den Begriff des Denkmals erweitert: Es ist heute
nicht nur das einzelne Gebäude, sondern auch das Umfeld,
das so genannte „Ensemble“, das uns interessiert
und schützenswert ist.
Ein Beispiel: Die historische Altstadt von Bamberg zeugt in
ihrer Ganzheit von bedeutender mittelalterlicher Stadtbaukunst.
So rechtfertig sich auch der Schutz ganzer Stadtteile.
ratgeber bauen:
Viele private Bauherren haben Vorbehalte gegenüber der
Denkmalpflege. Wie treten Sie den Vorurteilen entgegen?
Dr. Greipl:
Aufklärung ist ein wichtiger Punkt unserer Arbeit. Erst
mit einem gesteigerten Bewußtsein für das Erhaltenswerte
wird unsere Arbeit leichter. Ferner sollen handfeste finanzielle
Vorteile den behutsamen Umgang mit historischer Bausubstanz
erleichtern. Der erste Kontakt kann schon vor dem Erwerb eines
Objektes hergestellt werden: Vielfach kennen die Denkmalbehörden
interessante Objekte, die zum Verkauf stehen. Doch besonders
in der Sanierungsphase wird dem Bauherrn mit fachkundigen Ratschlägen
geholfen.
In Absprache mit den Denkmalpflegern vor Ort kann der Bauherr
Maßnahmen abstimmen und ausführende Firmen auswählen.