Neugieriger Besuch im (Haas-)Haus von Österreichs
Ski-As Andreas Widhölzl bei Innsbruck in Abwesenheit des Hausherren
Wer
den naiven Wunsch äußert, einen der besten (wenn nicht sogar
den derzeit besten) Skispringer Österreichs in seinem neuen
Haus zu besuchen, wird gern und herzlich eingeladen - muss allerdings
in einem olympischem Winter wie dem heurigen damit rechnen,
dass vom Hausherren bis auf die Siegerpokale und Medaillen von
gestern, einem hingebungsvoll gestylten Springerhelm, zwei Sprunganzügen
im Schrank und drei aktuellen Videos der letzten Wettkämpfe
nicht viel von ihm zu sehen sein wird.
Tochter Jana-Magdalena (2) und Sohn Noah (1) freuen sich auf
jeden Sonnenaufgang genauso wie auf das Erscheinen ihres Vaters,
und Kathrin Widhölzl ist schon zu lange Freundin und Frau eines
Spitzensportlers, um daran zu zweifeln, was ihrem Andi in diesen
Tagen wichtiger ist als (fast) alles andere: gute Sprünge, ganz
weit nach vorne, und sauber gelandet .
Als sie im Februar letzten Jahres in das neue Haus zog, war
ihr Andreas ja auch irgendwo auf dem großen Sprung. Selbst im
Internet-Zeitalter hat das Leben in den Bergen seine romantischen
Seiten: Sie war siebzehn, ging in der Fieberbrunner Schule in
die gleiche Klasse wie er.
Dass Erfolg auch Wünsche wachsen lässt, ist verständlich. Der
Traum vom eigenen Haus motiviert die ewig Herumziehenden vielleicht
stärker als andere. Kathrin Widhölzl nennt es dankbar ein großes
Glück, dass sie sich schon als so junge Familie diesen Lebenstraum
erfüllen können.
Das 750-Quadratmeter-Grundstück zwanzig Minuten vor Innsbruck,
mit schönem Blick auf die Berge, hatten sie 1998 gefunden.
In der Skisprung-Saison, noch dazu in einer olympischen wie
2002, sieht Kathrin Widhölzl ihren Mann Andreas wesentlich
öfter im Fernsehen als bei sich und den Kindern zu Hause.
Der Kachelofen als Mittelpunkt des Wohn- und Essbereichs
ist ein Unikat - originellerweise deutet er die Verwendung klassisch
glasierter Kacheln nur an.
Die junge Kosmetikerin
und Masseuse hatte nach ihren Erfahrungen in der eher kleinen
elterlichen Wohnung von ihrem Haus so gut wie keine Vorstellung:
Schön sollte es sein. Und möglichst groß, geräumig in jeder
Hinsicht.
Ein Onkel, Architekt, riet den jungen Leuten zu konventioneller
Bauweise. "Fertighäuser haben in Österreich einen Ruf für exzellente
Qualität. Wir hatten aber keine Ahnung, welche Gestaltungsfreiheiten
die Holzbauweise heute ermöglicht", bekennt die junge Frau.
Mit den 180 Quadratmetern eines solchen Hauses, den Keller mal
nicht mitgerechnet, läßt sich eine Menge anfangen. Um den nach
den Wünschen der Herrin des Hauses entworfenen großen Ofen im
Mittelpunkt, der das Ganze zugleich dominiert und gliedert,
öffnen sich der Wohn- und der Essbereich zu den Sonnenseiten.