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In welcher Situation befindet sich das private, selbstgenutzte Bauen für Wohnen und Arbeiten ?
Auf der einen Seite steht das professionelle Bauen der öffentlichen Hand sowie privater Investoren und Bauträger. Hierbei handelt es sich meist um grössere Bauvolumina, die von institutionellen Bauherren, Projektentwicklern, Architekten und Ingenieuren sowie Projektsteuerern, Facility Managern, etc. und grösseren Baufirmen abgewickelt werden. Ob die Ergebnisse dann immer wirklich qualitätsvoll sind oder nicht, will ich hier nicht beurteilen. Auf jeden Fall handelt es sich um Akteure, die nicht das erste mal Bauen. Mit dieser Gruppe sollte ein professioneller, engagierten Dialog geführt werden. Dies soll hier nicht Thema sein. Auf der anderen Seite stehen die privaten Bauherrschaften, die für ihren eigenen Bedarf eine Immobilie erwerben, errichten oder umbauen bzw. instandsetzen und modernisieren möchten. Da sie keine Erfahrung haben und in der Regel auch einen bau- und immobilienfernen Beruf, sind sie zunächst auf die Informationen, die an sie herangetragen werden, angewiesen: Baumärkte, Immobilienseiten der Tagespresse, Hauszeitschriften der Bausparkassen, Nachbarschaftstipps und Sonntagsausflüge zu Baustellen, Musterhäusern und Baumessen und ganz allgemein die Medien mit ihrer veröffentlichten Meinung. Ich will auf die Aussagekraft und Qualität dieser Einzelinformationen hier nicht eingehen, sie mögen im Einzelfall sehr sinnvoll und meistens auch begründet sein, allein es bleiben Einzelinformationen, die nur selten das Thema, das die Bauherrschaft eigentlich hat wirklich beleuchten. Und nur selten hat eine der oben genannten Informationsquellen auch ein Interesse die Bauherren wirklich aufzuklären, wenn sie überhaupt dazu in der Lage ist. Denn das wäre mühselig, würde den Bauherren verunsichern, bietet meist keine schnelle Lösung an und fördert nicht den Umsatz, wenn es nicht sogar das eigene Geschäft schädigt. So alleingelassen, ohne dass sie es wahrnehmen, stürzen sich Bauherren in das Abenteuer Bauen. Manchmal geht es gut, manchmal schlecht und merkt es nicht und wenn dann zu spät; man arrangiert sich und ist eigentlich ganz froh, dass man nicht nochmal bauen muss. Ich brauche hier nicht näher darauf eingehen wie förderlich ein derartiges Simmungsbild für die Branche ist und wir könnten es mit Sarkasmus abhandeln, sagen selber schuld und uns wieder dem Alltag zuwenden. Wir könnten es aber auch anders sehen, liebe Kolleginnen und Kollegen: Hier wartet ein wirklich grosser Markt auf uns, der bisher anderen überlassen wurde. Die Menschen müssen, bevor wir uns mit einzelnen, konkreten Problemen beschäftigen, ersteinmal für die übergeordnete Thematik sensibilisiert werden. Was heisst das und warum ist das notwendig? Es wird doch schon seit Jahrtausenden ohne Projektentwickler, ohne Architekten, ohne Ingenieure, ohne Projektsteuerer und ohne Detailplanung gebaut. Vielleicht wäre es aus nostalgischen Gründen wünschenswert wieder die kulturellen Bedingungen der früheren Jahrunderte zu haben, aber letztendlich wird niemand ernsthaft die Erungenschaften der Moderne in Frage stellen. Mit ihren zahlreichen Segnungen wie beispielsweise der Vielfalt des Angebotes an Baumaterialien oder der Abkehr von festgefügten Lebens- und Bauweisen haben wir eine ungeheure Freiheit erlangt und Möglichkeiten erschlossen, die früher nie denkbar waren. Scheinbar sind wir aber nur selten in der Lage mit dieser Freiheit und mit diesen Möglichkeiten verantwortungsvoll und sinnvoll umzugehen. Dies aufzuzeigen und zu vermitteln ist jedoch schwierig, da die Problematisierung oftmals als Eingriff in die Freiheitsrechte des Einzelnen begriffen wird. Am deutlichsten ist dies beispielsweise an der Situation des Denkmalschutzes zu sehen, der meist als fortschrittsfeindlich, kostentreibend und bürokratischer Wasserkopf dargestellt wird, denn als Chance für unsere Gesellschaft, für unsere Kultur betrachtet wird, wenngleich die Nostalgie hoch im Kurs steht. Dieses scheinbare Paradox kann letztendlich nur durch unsere Überheblichkeit alles herstellen zu können, also auch das "Alte" neu erschaffen zu können, erklärt werden. Und wie verhalten sich die Profis zu dieser Situation? Fertighausindustrie, Baustoffkonzerne und Baumärkte bedienen den Markt und verkaufen ohne allzutief darüber zu reflektieren, aus Gründen die ich oben bereits genannt hatte. Ihre erfolgreiche jahrzehntelange Lobbyarbeit in Politik und Medien ist inzwischen schon tief in den Köpfen der meisten Menschen etabliert, eine Problematisierung durch engagierte Bauprofis wird eher als lästig denn als kompetent betrachtet. Architekten werden als Schöngeister angesehen, die man sich eigentlich auch einsparen kann, denn zum konkreten Bauen scheinen sie ja nichts beizutragen. Ihre Leistung wird tatsächlich – so unglaublich das den Standesvertretern scheinen mag – einfach nicht gesehen. Die wenigsten Menschen auf der Strasse wissen überhaupt, was ein Architekt macht, meist erhält man zur Antwort: "Architekten zeichnen schöne Häuser für reiche Leute und Wolkenkratzer" Dass sich damit vielleicht nur 2% der Architektenschaft ernähren können, sitzt einfach nicht im öffentlichen Bewusstsein. Aber das schlimmste ist, dass die Architekten an dieser Situation nicht schuldlos sind. Jahrzehnte lang haben sie es verabsäumt Lobbyarbeit zu betreiben und haben ein Arbeitsfeld nach dem anderen abgegeben, aber ihre Leistung schlichtweg nicht verkauft: Projektentwickler, Projektsteuerer, Generalübernehmer, Kompletthausanbieter und Bauingenieure beherrschen heute im wesentlichen das Baugeschehen. Architekten sind bestenfalls noch Imagegeber und Fassadendesigner. Da mögen viele Kollegen aufschreien, aber wieviele Ein- und Zweifamilienhäuser oder wieviele Instandsetzungen und Modernisierungen oder Umbauten werden noch von selbstständigen Architekten entworfen, geplant und durchgeführt? Ich möchte die Zahl lieber nicht wissen. Dabei können wir als Generalisten besseres leisten als die Heerschar tunnelblinselnder Spezialisten. Letztendlich muss es das Ziel sein wieder gemeinsam mit der Bauherrnschaft die Herrschaft über das Bauen zu erlangen. Denn davon bin ich überzeugt: Nur wenn der Bauherr wieder wirklich entscheidet und wirklich weiss was er kann und will, wird es zu einer wirklichen Verbesserung der Bauqualität in gestalterischer und technischer Hinsicht kommen. :-) <small>[ geändert von andreasriegerarchitekt an 06.06.2007 05:53 ]</small> |
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